Brüchige Basis Menschenrechte Empfehlung

Horst Solf dankt für das große Interesse an seiner Ausstellung zu den Menschenrechte. Horst Solf dankt für das große Interesse an seiner Ausstellung zu den Menschenrechte. Fotos: -uss

Viele Füße haben am Freitagabend in der Halle 101 der LEA in Ellwangen die Menschenrechte betreten, die in viel zu vielen Ländern noch mit Füßen getreten werden.

Betreten geblickt hat niemand. Einer hat tief berührt in die Runde und auf die vielen Kinder und Jugendliche geschaut, die sich zur Ausstellungseröffnung um ihn geschart hatten. Horst Solf.

     Zur Erinnerung an die Deklaration der Menschenrechtscharta 1948 und an 70 Jahre ohne Krieg in Mitteleuropa hat der 77 Jahre alte Künstler in der Landeserstaufnahmestelle eine große Installation geschaffen. Sie besteht aus großformatigen fröhlich bunten und apokalyptisch verstörenden Ölgemälden, auf denen Vögel als Symbole der Freiheit, von düsteren Mauern und spitzen Dornen bedroht werden, einer Skulptur aus Stacheldraht und den 30 Artikeln der Charta, die auf dem Boden verstreut liegen. Deren Inhalte hätten es verdient, bei der "Friedensfeier" als zentrale Botschaft besser ins Bewusstsein gehoben zu werden. Warum hat man die Blätter nicht von 30 Jugendlichen aufheben und vorlesen lassen? Insofern ist diese Vernissage so konventionell wie viele andere verlaufen. 

     Zuvor hatte ein aus Ellwanger Schulen rekrutierter und von der Band des Peutinger-Gymnasiums begleiteter großer Chor mit einem Pop-Hit schon für eine jugendliche Einstimmung gesorgt. Die vielsprachige Begrüßung durch mehrere Schülerinnen und Schüler tat ein übriges, um ein Hauptanliegen des in Heidenheim arbeitenden Malers und Bildhauers bewusst zu machen: Junge Menschen für den Einsatz für die Menschenrechte zu ermutigen als einzig mögliche Alternative zur weltweit herrschenden Gewalt.

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    Vor den zahlreichen Gästen in der Halle, in der Ende 2015 rund 300 Geflüchtete eine Bleibe gefunden hatten, erinnerten Regierungspräsident Wolfgang Reimer und die Staatssekretärin im Staatsministerium, Theresa Schopper, an den Leidensweg dieser Menschen, die Bedeutung dieser Halle als Ort der Ausstellung und an die Tatsache, dass die Charta der Menschenrechte eben nur eine freiwillige Willenserklärung gewesen ist. Die Trump-Regierung zum Beispiel hat den UN-Menschenrechtsrat als „Jauchegrube“ diffamiert. Was heißt das für Schopper? „Nicht nur von Diktatoren und Autokraten wie Erdogan werden die Menschenrechte mit Füßen getreten.“ Für diese Charta gelte es deshalb „mit Leidenschaft“ zu kämpfen.

     Ellwangens Schulbürgermeister Volker Grab gab zu bedenken, es sei keineswegs selbstverständlich, dass die Menschen hierzulande seit 70 Jahren in Frieden leben könnten. Umso mehr müsse man die Wahrnehmung dieses Glücks schärfen.

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     Ihre Wahrnehmung haben die Schülerin Clarissa Köper und der gebürtige Syrer Hussain Darwish in eindringliche „Statements“ gefasst. Der 20 Jahre alte junge Mann ist vor fünf Jahren aus seinem Heimatland geflohen, als Bomben auf seine Mittelschule fielen. Jetzt hat er am Peutinger-Gymnasium sein Abitur gemacht. Ein Beispiel, das bei der Friedensfeier Hoffnung macht. Wäre da nicht seine Erinnerung: „Nur noch der Hass hat die Menschen gesteuert.“

     Gegen diese schlimme Erfahrung hat Horst Solf nochmals sein Credo postuliert: „Neues kann nur durch Begegnung entstehen.“ Passend dazu haben Jugendliche aus Ellwangen auf  einer großen Pin-Wand an der Stirnseite der Halle ihre Erwartungen, Wünsche, Hoffnungen und Pläne für ihre Zukunft fixiert. Die eigentlich Betroffenen blieben indes weitgehend außen vor. Geflüchtete, die nach der Feier am Kurz-Brunnen beim Fuchseck nach ihren Eindrücken gefragt wurden, staunten. Sie seien gar nicht eingeladen worden.  

     Info: Die Ausstellung „Friedensfeier“ in der LEA-Halle 101 ist noch bis 15. Juli von 9 bis 18 Uhr geöffnet. 

Wolfgang Nußbaumer     

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