Der "camerata nova" ist der Klang alles

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Barocker Raum für Musik des frühen Barock. Die "camerata nova" hat ihren Auftritt in der Ellwanger Stadtkirche sichtlich genossen. Barocker Raum für Musik des frühen Barock. Die "camerata nova" hat ihren Auftritt in der Ellwanger Stadtkirche sichtlich genossen. Fotos: -uss

Für den Kammerchor „camerata nova“ ist alles Klang – und Klang ist ihm alles.

    Diese Leidenschaft auszuleben, bietet ihm die Alte Geistliche Musik erlesene Polyphonie in Fülle. Sehr zur Freude des Publikums, das sich am Pfingstmontag in der Ellwanger Stadtkirche dieses Klangbad gegönnt hat.

    Die Unterzeile im Programm „geistliche Chormusik zu Pfingsten von Palestrina bis Pärt“ ist mehr der Alliteration geschuldet als dem kompositorischen Bogen. Das von der Orgelempore aus zu Gehör gebrachte „Interludium“ des  einst mit dem Preis der Europäischen Kirchenmusik (EKM) in Schwäbisch Gmünd ausgezeichneten Esten fungiert als klangliche Zäsur zwischen den alten Meistern. Wobei sich Pärt deren Tonsprache deutlich angeeignet hat. 

    Das Hauptinteresse von Peter Kranefoed und seiner vor allem aus dem Großraum Stuttgart für jeweilige Projekte rekrutierten vorzüglich intonierenden Sängerinnen und Sängern gilt ohnehin dem Ton und weniger dem Wort. Es dient von Palestrinas „Veni Creator Spiritus“ bis zur abschließenden Bach-Motette „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ entgegen der üblichen Praxis als Transportmittel für den Klang. Und der betört schon mit dem Auftaktakkord zu Palestrinas Praeludium; vermählt sich aufsteigend zum Kirchenfirmament mit dem breiten Teppich der einfallenden Sonnenstrahlen.

    Tatsächlich kann man sich den stetigen Fluss der Musik, wie er im Barock üblich war, kaum schöner vorstellen als in der Pfingst-Sequenz des Spaniers Tomás Luis de Victoria. Er ebbt im exakt aufeinander abgestimmten Strom der Stimmen auf und ab.

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     Eingefügt in diesen Klangzauber sind Edelsteine in wechselnder Besetzung, wie das „Concerto“ aus den „Opella Nova“ von Johann Hermann Schein, der mitten im Dreißigjährigen Krieg gestorben ist. Der Lerchengesang der beiden von Tenören und dem Basso continuo (Orgel Ulrich Klemm) Sopranistinnen soll nicht unter dem Elend dieses Krieges leiden. 

    Nach 70 Minuten klappen die ganz in Schwarz gekleideten Sängerinnen und Sänger ihre Stimmbücher zu, verbeugen sich artig für den reichen und verdienten Beifall – und räumen das Feld der musikalischen Ehre. Ohne Zugabe; schließlich war der Eintritt frei.

Wolfgang Nußbaumer   

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