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Das Tingvall Trio verwandelt die Hospitalkirche in einen Klangdom. Das Tingvall Trio verwandelt die Hospitalkirche in einen Klangdom. Fotos: -uss

„Zwischen den Wolken“ hat Martin Tingvall eine Komposition genannt. Inspiriert hat den Pianisten dazu ein Blick aus dem 12. Stock der Elbphilharmonie in Hamburg.

   Nach dem vom Konzertkreis Triangel organisierten Auftritt seines Trios in der Haller Hospitalkirche weiß man, dass die Freiheit nicht nur über den Wolken grenzenlos sein kann.

   Zuletzt waren der große Schwede, der kleine Kontrabassist aus Kuba, Omar Rodriguez Calvo und das deutsche Percussionphänomen Jürgen Spiegel vor fünf Jahren in der jazzbegeisterten Stadt am Kocher. Käme das Trio jedes Jahr, würde es dennoch immer vor ausverkauftem Haus spielen. Zu süffig, ohne je platt zu klingen, sind die Kompositionen Martin Tingvalls. Sie machen süchtig. Wo nimmt der charmante Blondschopf nur diese musikalischen Ideen her, fragt man sich staunend. Er muss über ein unerschöpfliches Füllhorn verfügen.

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   Davon zeugt auch das siebte Album „Cirklar“, dessen Titel im Mittelpunkt des herrlichen Abends stehen. Er beginnt mit „Evigheitsmaskinen“, der „Ewigkeitsmaschine“ und endet gut zwei Stunden später mit dem siebten Stück der siebten CD, „sjuan“ („sieben“). Zuvor hat Tingvall noch mit einem ungewöhnlichen Ort bekannt gemacht. In „Det Gröna Hotellet“ checke man nur einmal ein – und nie mehr aus, erklärt er mit einem spitzbübischen Lächeln. Das Grab. Dann setzt er sich an den Flügel und tupft mit tiefem Ernst eine zum Sterben schöne Melodie aus den Tasten. Der kleine Bassist Calvo mit den omnipräzisen riesigen Händen verarbeitet das Motiv gezupft und mit dem Bogen, während Drummer Spiegel mit Streichelbeats ins Unendliche blickt.

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   Können die verschworenen Drei auch Blues? Tingvalls Frage ist natürlich rein rhetorisch. Was können sie nicht? Im Skansk Blues“ geht die Post ohne einen Hauch von Harmonienseligkeit richtig jazzig ab. Ebenso in „Grrr“ vom zweiten Album „Norr“. Das letzte Stück vor den Zugaben ist das erste auf der Scheibe „Beat“. Das Trio lässt „Den gamla Eken“ („Die alte Eiche“) nochmals richtig, das heißt gewaltig aufblühen. Ein letzter Höllenritt über dem Glasperlenspiel. Bis in fünf Jahren wieder. 

Wolfgang Nußbaumer 

       

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