Champagnerklänge vom Flügel-Mann Empfehlung

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Champagnerklänge vom Flügel-Mann Foto: Peter Hageneder

Nachdem der letzte Ton von Felix Mendelssohn Bartholdys „Lied ohne Worte“ unter den Händen von Matthias Kirschnereit in der Aalener Stadthalle verklungen ist, fehlen einem die Worte.

   Der feinsinnige Pianist hat mit seinem emotional beseelten Spiel Balsam über die von den Kriegsnachrichten aus dem Nahen Osten beunruhigten Seelen des Konzertring-Publikums geträufelt.

   Dabei war es nur die letzte seiner Zugaben. Zuvor hatte er, assistiert vom Kammerorchester des Nationaltheaters Prag unter der Leitung des energiegeladenen isländischen Dirigenten Gudni A. Emilsson, Wolfgang Amadeus Mozarts Klavierkonzert A-Dur als musikalisches Poem nach allen Regeln der pianistischen Spielkunst zum Leuchten gebracht. Ein reines Vergnügen. Wie bester Champagner perlt das Allegro, prickelnd die dynamische Akzentuierung. Mit einer leichten dämpfenden Handbewegung bittet er zwischendurch das Ensemble um mehr „piano“. Dabei gibt sich Emilsson schon alle Mühe, mit seinem raumgreifenden klaren Dirigat die Prager zu disziplinieren.

   Betörende Betrübnis prägt Kirschnereits Einstieg in das schon romantisch klangselige Andante. Er interpretiert es als einen Marche funèbre mit hoffnungsvollem Silberstreif am Horizont. Zum Weinen schön diese kleine chromatische Verschiebung von einem Triller hin zum Motiv. Da hätte sich das Wolferl, das mit seinen Wiener Konzerten den Geschmack des Hauptstadtpublikums austesten wollte, sicher gefreut.

    In der Stadthalle freut man sich darüber, wie federleicht die Finger des Pianisten im abschließenden Allegretto über die Tasten huschen. Ganz anders als ein Alfred Brendel, der die Klavierkonzerte mit hohem Intellekt seziert, lässt Kirschnereit die Sterne am Mozartfirmament ganz einfach funkeln. Wie diese schlichte „Ungarische Melodie“ von Franz Schubert, die er als erste Zugabe aus dem Flügel zaubert.

    Vielversprechend frisch hatten die Prager mit der selten gehörten Ouvertüre zu Joseph Haydns Singspiel „L’isola disabitata“ den Abend eröffnet. Ziemlich zäh geriet ihnen dagegen Dvoráks Streicher-Walzer D-Dur und A-Dur. Saubere Intonation klingt anders.

    Die flotte Gangart mögen die tschechischen Musici hingegen. Wie sie die drei schnellen Sätze von Franz Schuberts Fünfter in B-Dur hinlegten, war aller Ehren wert. Nur beim Andante hatte der Dirigent wieder alle Hände voll zu tun, um die Truppe auf Trab zu halten. 

    Ende gut, „alles gut. Mozart!“ meinte Gudni A. Emilsson ebenso gut gelaunt, bevor er zur Zugabe schritt. Zuvor hatte er einige der Süßigkeiten, mit denen die neue Konzertring-Geschäftsführerin Simone Fürst-Adriaans den Akteuren gedankt hatte, ins Publikum geworfen. Als Dankeschön für den herzlichen Beifall.

Wolfgang Nußbaumer

    

        

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