Großes geleistet Empfehlung

  • geschrieben von 
  • Gelesen 229 mal
Versunken im Jazz: Anne Cichowsky, Axel Kühn, Matthias Daneck und Martin Wiedmann. Versunken im Jazz: Anne Cichowsky, Axel Kühn, Matthias Daneck und Martin Wiedmann. Fotos: -uss

Bescheiden wie sie ist, hat die Jazzsängerin Anne Czichowsky den zweiten Auftritt ihres Quintetts in der Jazzreihe des Ellwanger Kulturvereins „Stiftsbund“ nicht mit dem temperamentvollen Titelsong der Steve Allen-Show eröffnet: „This could be the start of something big“. Bescheidenheit in Ehren – aber sie hätte allen Grund dazu gehabt.

       In der familiären Atmosphäre des Ateliers von Rudolf Kurz hat die voluminöse Sängerin mit der langen, in schönstem Kastanienbraun leuchtenden Haarmähne als Einstieg das muntere „Bluesette“ von Toots Thielemans intoniert. Sie hat dem  Instrumentalstück einen eigenen Text verpasst, eine ihrer Spezialitäten.

ac mitkühn1.jpg

     Inzwischen komponiert die mit zahlreichen renommierten Preisen ausgezeichnete 37 Jahre junge Vokalistin auch eigene Stücke. Wie das komplexe „Moon animals“. Inspiriert hat sie dazu ihr Vater, der bei Vollmond gerne allerlei Getier auf dem Erdtrabanten imaginiere. Und die Tochter hat sie zur Freude des kleinen, aber sehr konzentriert lauschenden Publikums, mit ihrer perfekt intonierenden, warmen Stimme auf die Mutter Erde geholt.

    Eigentlich hätte es in dieser entspannten Atmosphäre gar nicht der in Zeitlupe gespielten „Idle moments“ bedurft, um die Hektik des Alltags außen vor zu lassen. Wäre aber jammerschade gewesen, diese augenzwinkernd hingebungsvolle Konversation der Band nicht zu erleben.

ac mit pianist.jpg

      Dieses Miteinander auf Augenhöhe macht das sympathische Fluidum des Quintetts aus. Anne Czichowsky ist zwar die Mutter der Kompanie, den Ton geben sie jedoch alle gemeinsam an. Der aus Biberach stammende Andreas Herrmann genießt es, auf einem Flügel seine reiche melodische Fantasie ausleben zu können; Axel Kühn taucht in seiner Komposition „3. August“ tief hinein in die balladesken Tonfiguren. Der mit Bravour am Gitarrensound tüftelnde Gitarrist Martin Wiedmann raut sie mit herber Laufarbeit auf. In seinem mit stoffgedämpfter großer Trommel sanft konturiertem Stück „Now and then“ zeigt Matthias Daneck, dass man auch mit Standard-Equipment satt „grooven“ kann.

       Mit einem „Kitchen Talk“, bei dem sogar das Kochwasser abbrennt, geht das familiäre Treffen zu Ende. Ohne das sanft hingeschnurrte „Lambada de serpente“ hätten wir indes auf dem Heimweg keine Mondtiere entdeckt.

Wolfgang Nußbaumer  

       

     

          

Mehr in dieser Kategorie: Die "Kreatur" entsteht »
Nach oben