Zwei mal zwei gibt viel Kunst Empfehlung

Moderiert von Kurator Ulrich Brauchle (r.) sprechen die Künstlerpaare Volker Lehnert und Bettina van Haaren sowie Peter Mell und Uta Zaumseil über Aspekte ihres Schaffens. Moderiert von Kurator Ulrich Brauchle (r.) sprechen die Künstlerpaare Volker Lehnert und Bettina van Haaren sowie Peter Mell und Uta Zaumseil über Aspekte ihres Schaffens. Fotos: -uss

Es beginnt mit „Tibet“ und es endet mit „ein wenig Argwohn in Waldstücken“.

    Das klingt kryptisch, ist es aber nicht. Es handelt sich um zwei Bildtitel aus der Ausstellung „paarweise“ des Kunstvereins Ellwangen in seinen Galerieräumen im Schloss. Sie macht seit Sonntag mit dem wirklich weit gespannten Werk zweier Paare bekannt. Wer hier mit wem Tisch und Bett, aber nicht das Atelier teilt, lässt sich anhand der Arbeiten indes nicht erschließen.

    Auf einen gemeinsamen Nenner lässt sich das Schaffen von Bettina van Haaren und Volker Lehnert, Uta Zaumseil und Peter Mell zumindest in dreierlei Hinsicht bringen. Alle haben sich der Druckgrafik und zum Teil der Malerei verschrieben; für alle ist das Handwerk sehr wichtig – und den inhaltlichen Aspekt fasst Bettina van Haaren so zusammen: „Wir lieben die Illusion und die Herausforderung des Raumes.“

    Gegensätzlicher kann man sich dieser Herausforderung allerdings kaum stellen, als sie und ihr Mann, der an der Stuttgarter Kunstakademie lehrende Volker Lehnert das tun. Während er auf seinen Farblithografien, Radierungen und Hochdruck-Unikaten ein dichtes Geflecht von sich gegenseitig durchdringenden abstrakten und figurativen Elementen formt, lotet sie den weißen Raum mit filigran-verspielten und von skurrilem  Witz geprägten Linolzeichnungen aus.

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Der Ellwanger Galerist Bernhard Maier hält Zwiesprache mit einem Linolschnitt Bettina van Haarens.

 

    Wischt man vor dem geistigen Auge die farbigen und flächigen Elemente in den Arbeiten des an der Stuttgarter Kunstakademie lehrenden Volker Lehnert weg bleiben überraschend Zeichnungen übrig, die auf ihren Leinwänden nicht auffallen würden. Vermutlich, weil aller Schaffen ein sehr hohes Niveau auszeichnet, wie Kurator Uli Brauchle in einer Gesprächsrunde bei der trotz des Wintereinbruchs ordentlich besuchten Vernissage festgestellt hat.

    Bettina van Haaren muss sich mit den Dingen umgeben, deren Abbild sie dann in bis zu einem Jahr dauernder aufwändiger Arbeit ins Linoleum schneidet, verrät sie. Zum Beispiel „Teigtaschen“. Lehnert wiederum holt sich seine Inspirationen beim Wandern. Alles also sehr analog. Jedoch nicht altmodisch.

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So also sehen "Retter der Stadt" in der Vorstellung von Uta Zaumseil aus.

 

     Wie bei Uta Zaumseil und Peter Mell. Was für van Haaren die sie umgebenden Gegenstände sind, sind für Uta Zaumseil ihre Gefühle, Erfahrungen, das, was sie umtreibt und interessiert. Beispielsweise „3 Männer in Betrachtung des Mondes“.  Inszeniert als überdrucktes Foto. Oder das „Atelier“. Die schwarze Silhouette eines Mannes konfrontiert mit einer sportlich bunt gekleideten Frauengestalt. Der klassische Topos den Fensterblicks kombiniert mit einer diffus bedrohlichen Situation.

     Ironie durchzieht ihr Schaffen wie ein roter Faden. Sie scheint auch als eine Facette in den Malstücken und Collagen ihres Mannes Peter Mell auf. Bei ihm muss man nicht über die Bildtitel sinnieren. Es gibt nur einen: „Tibet“. Ihn allerdings 20 mal. Was das mit dem von China okkupierten Himalaya-Staat des Dalai Lama zu tun hat, eröffnet sich ebenso wenig auf den ersten Blick wie die Überschrift „Haus/Möse/Mond“.  Dass er jedoch ein Meister der Reduktion mit einem Gespür für die schon erwähnte Herausforderung des Raumes ist, zeigen seine Acrylbilder, übermalte Fotos und Schrifttafeln.

 

     Zu Beginn hatte der zweite Vorsitzende des Kunstvereins, Manfred Baumhakl, in seiner Begrüßung des vor wenigen Tagen plötzlich gestorbenen Gründungsmitglieds und 17 Jahre im Vorstand tätigen Kay Thomä gedacht: „Er war ein im besten Sinne streitbarer Geist in Sachen Kunst.“

    Bürgermeister Volker Grab wies natürlich schmunzelnd auf den schon lange geforderten Lift im Innenhof hin, von dem – wie berichtet – zumindest schon das Gerüst steht. Kay Thomä würdigte er als „ganz besonderen Menschen“. Er sei als Förderer ein ganz wichtiger Bestandteil der Ellwanger Kulturszene und weiterer Bereiche gewesen.  

    Info: Die Ausstellung "paarweise", die man natürlich auch als Single besuchen darf, ist bis 13. Mai in der Galerie des Kunstvereins Ellwangen samstags von 14 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 10.30 bis 16.30 Uhr zu sehen; Gruppen nach Vereinbarung unter Tel. 07961-561078 oder 9869314. Am Sonntag, 15. April, 11 Uhr, führt Kurator Ulrich Brauchle durch die Ausstellung.

Wolfgang Nußbaumer 

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