In jeder Hinsicht Extra-Klasse

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In jeder Hinsicht Extra-Klasse
 
Im zweiten Klassikkonzert des Gschwender Musikwinters gastierten Tanja Becker-Bender und Péter Nagy in der evangelischen Kirche.
   Das Duo der Extra-Klasse hatte sein Programm unter das Motto von Beethovens Kreutzersonate gestellt. Das Auditorium erlebte einen herausragenden Abend mit Werken aus Klassik und Romantik. Zur Einstimmung erklang die G-Dur-Sonate von Johannes Brahms. Temperamentvoll Interpretierten die Geigerin und der Pianist Schuberts Fantasie für Violine und Klavier in C-Dur. Lange Bogenstriche auf der Violine kennzeichnete mit seinem ruhigen Duktus das Andante. Ein beschwingtes Allegretto löste den langsamen Satz ab. Melodiös und akzentuiert mit Pizzicato und Doppelgriffen kam das Andantino daher. In einem hinreißend gespielten Finalsatz entließen die beiden absolut ebenbürtigen Musiker ihre Publikum in die Pause.  
    Robert Schumanns Sonate für Violine und Klavier in a-moll op. 105 entführte  aus der Dur- in die ernste Mollwelt. Mit leidenschaftlichen Ausdruck erklang der erste Satz in tiefer Tonlage. Lieblich, geradezu innig der Mittelsatz Allegretto, der in einen lebhaften Schlusssatz ausklang.  
   Das kongeniale Zusammenspiel der beiden Musiker, ihre Präzision, ihre leidenschaftliche Hingabe an die Musik machten den Abend zu einem Hörgenuß, der das Publikum mitriss. Die Violinistin Becker-Bender setzte im blau-grauen mit Pailletten besetzten Abendkleid noch einen wirkungsvollen optischen Akzent. 
   Den Höhepunkt des Abends bildete natürlich die legendäre Kreutzersonate. In der Uraufführung saß Beethoven selbst am Klavier und spielte 1803 mit dem Geiger George Bridgetower die Komposition, die den Literaten Tolstoi später zur gleichnamigen Novelle inspiriert hat. Mit Brigdetower hat sich Beethoven überworfen. Deswegen widmete er sein Werk nicht diesem, sondern einem berühmten Pariser Geiger namens Rodolphe Kreutzer. Eigenartigerweise hat der mit dieser Sonate ausgezeichnete Violinist das Stück selbst nie aufgeführt.  
   Ein mehrstimmiges Solo der Violine beginnt das etwa 40minütige Werk. Das Piano setzt ein und verdunkelt die Harmonien. Kurz angeschlagene Akkorde, rasante Tremoli und Läufe führen vom Adagio sostenuto zum Presto. Der Mittelsatz Andante con variazioni bringt das Thema variations- und facettenreich zum Vortrag. Piano und Geige tragen im Wechsel die Melodie voran, mal zart, mal bewegt, mit kontrastreichen musikalischen Einfällen. Ein feuriges Finale krönt den Schluss. 
   Mit zwei Zugaben werden die begeisterten Zuhörer belohnt, mit Fritz Kreisler Caprice Viennois und Dvoraks 2. Slawischem Tanz.
 
Helga Widmaier
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