Rilling bürgt für Qualität Empfehlung

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Rilling bürgt für Qualität
 
Ein exquisites Konzert zum Neuen Jahr hat das Hohenstaufen-Ensemble im Kulturzentrum Prediger in Schwäbisch Gmünd gegeben.
    Ein Kammerkonzert für „Kenner und Liebhaber“ hatte Ralph Häcker vom Kulturbüro angekündigt und nicht zu viel versprochen. Das Streichquartett punktete mit einer absolut großartigen Interpretation von Werken der Klassik bis zum 20. Jahrhundert. 
     Im Hohenstaufen-Streicherensemble  haben hochkarätige Musiker zusammengefunden, deren Zusammenspiel einen Hochgenuss für das versammelte Publikum darboten. Rahel Maria Rilling, die Gründerin des Hohenstaufen Kammermusik Festivals 2006 hat auch das Hohenstaufen-Ensemble initiiert. Die Tochter Helmuth Rillings spielt auf einer wertvollen Geige von Thomas Balestrieri aus Cremona aus dem 18. Jahrhundert. Ihr kristallklarer Violinenton, die präzisen Einsätze und die Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten machten ihr Spiel zu einem Erlebnis. 
     Ihre Schwester Sara Maria Rilling teilt die leidenschaftliche Liebe für die Kammermusik. Sie spielt die Viola im Quartett. Der Berliner Tilmann Hussla, 2. Violine, der beim Beethoven-Kammermusik-Wettbewerb 2015 einen 1. Preis errungen hat, zeichnete sich durch einfühlsames und temperamentvolles Spiel aus. Am Cello saß der junge polnische Cellist Maciej Kulakowski, der auf einem ganz besonderen Violoncello von Charles Gaillard von 1867 brillierte.
    Zart wie mit ersten vorsichtigen Strahlen kündigte sich der „Sonnenaufgang“ von Joseph Haydn an. Mit dem Streichquartett in B-Dur op. 76 Nr. 4 erweckte das Quartett die eindrucksvollen und originellen Ideen Haydns zu neuem Leben. Die Komposition von 1797 zeichnet sich durch jähe Tempo- und Stilwechsel in den vier Sätzen aus und überrascht durch seine Vielseitigkeit mit ausgeprägtem Charakter und abrupten unerwarteten Wendungen. Das Allegro con spirito ließ die Zuhörer an den ersten hoffnungsvollen Lichtstrahlen teilhaben. Leise setzen die Streicher ein und ließen dem Licht mit langsam ausgreifender Bewegung seinen Raum. Das Adagio entwickelte sich leise, verhalten und gab einem Gefühl von großer Traurigkeit nach.  Im Menuett wandert das Thema von einem Instrument zum andern bis es sich in einem Moment wieder zusammenfindet, um sich danach wieder in Staccati aufzufächeln. In einem freudigen Finale mit expressivem Schluss enden die Sätze.
    Dmitri Schostakowitschs wenig aufgeführte Stücke für Streichquartett führten ins 20. Jahrhundert. Die Elegie fing pianissimo an. Wie von ganz weit entfernt hörten sich die Töne an. Violine und Cello nehmen gegenläufige Bewegungen auf. Meditativ singt verträumt die 1. Geige. Das Cello nimmt die zurückgenommene Lautstärke auf und kontrastiert mit tiefen Tönen. Die Polka gibt sich spritzig. Ihr Esprit und ihr Witz teilt sich dem Publikum unmittelbar mit. Das freche kleine Schostakowitsch Stück gibt es zur Freude der Zuhörer noch einmal als Zugabe.
    Nach der Pause intonierten die Streicher das F-Dur Quartett op. 35 von Maurice Ravel. Einschmeichelnd kam das Allegro moderato daher. Akzentuiert, gezupft, mit Vibrato, gefühlvollem Strich der Satz Assez vif. Très rythmé. Im langsamen Satz Très lent grundiert das Cello geheimnisvoll die flirrenden Geigentöne. Vif et agité mit schnellen kurzen Bogenstrichen verabschiedet sich Ravel und das kongeniale Zusammenspiel der ausgezeichneten Musiker von ihrem begeisterten Publikum. 
 
wid
 
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