Vielfalt des Porträts Empfehlung

Ulrike Langens "Lady in red" Ulrike Langens "Lady in red" Fotos: Peter Hageneder

Das Aalener Künstlerpaar Ulrike und Philip Langen gibt mit einer Ausstellung im Landratsamt Ostalbkreis in Aalen und in Schwäbisch Gmünd einen umfassenden Einblick in sein vielfältiges Schaffen..

     Philip und Ulrike Langen verbindet im besonderen die Liebe zur Porträtmalerei. Aus der Modebranche kommend, ist es beiden mühelos gelungen, einen unverkennbaren Stil und eine künstlerische Handschrift zu kultivieren. Malt und zeichnet der eine im klassischen Sinne mit Pinsel und Kreide, so bedient sich die andere eines digitalen Mediums in Kombination mit Siebdruck als Fortsetzung der Malerei mit zeitgenössischen Mitteln. 

   Philip Langen hat in seinem spontan-experimentellen Charakter vielseitige Porträts sowohl hinsichtlich der Technik als auch im Ausdruck geschaffen – getreu dem Motto Picassos „das Geheimnis der Kunst liegt darin, dass man nicht sucht sondern findet“. Mit großem Erfolg nach dem Studium von Design, Kunst und Betriebswirtschaft in Amsterdam Jahrzehnte als Unternehmensberater und Coach in der Modebranche unterwegs, hat ihn 2012 ein Schlaganfall aus der beruflichen Bahn geworfen. Es folgten Reha und das Leben mit einer linksseitigen Lähmung. Seitdem malt er, wie er sarkastisch feststellt, „etwas chaotisch“ und ausschließlich mit rechts. Und ausschließlich Porträts. 

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Vernissageredner Wolfgang Nußbaumer ist umrahmt von Acryl-Porträts, die Philip Langen von sich und seiner Frau Ulrike gemalt hat. Hinter ihm lauert das "Trio infernal".

 

   Philip Langen kennt nicht den „Horror vacui“, die Angst vor der leeren Leinwand. Er weiß genau, was er will.  Dass der Malprozess jedoch verschlungene Pfade nehmen kann, liegt in der expressiven Impulsivität des Künstlers. Ob diverse Pinsel, Spachtel oder die bloße Hand – er rückt dem Malgrund mit allem zu Leibe, was Farbe halten kann. Und allem, was Farbe tragen kann, selbst Pappteller.  

      Die Ergebnisse, zu denen er im Sinne Picassos „findet“ - die er also nicht sucht - sind umwerfend. Obwohl Langen gerne seriell arbeitet, wie u.a. die Reihe „Save the world“ zeigt, gleicht kein Blatt und keine Leinwand dem andern. Hier ein alter Wilder, dort ein konstruktiver Kubist mit einem kräftigen Schuss Expression. Die Bandbreite der Farb- und Formelemente reicht von Cézanne über Picasso, die karikierend verfremdete Neue Sachlichkeit – wie sie in der noch bis 25. Februar in der Schirn in Frankfurt dauernden großartigen Ausstellung „Glanz & Elend in der Weimarer Republik“  zu bestaunen ist - und Jackson Pollocks „action painting“ bis hin zu Horst Janssens genial verschnörkelten grafischen Arbeiten. 

   Langens Kunst ist in ihren Mäandern voller Anstöße. Sie schöpfen in der Zeichenhaftigkeit seiner Malstücke und in den Zeichnungen aus grauer Vorzeit, als der homo sapiens sich in den ersten Höhlenzeichnungen in seiner Individualität verewigt hat. Und sie referieren in ihrem Formenkanon afrikanische und amerikanisch-indigene Archetypen. In ihrem spontanen, freien und endgültigen Duktus verrät die Zeichnung viel, wenn nicht alles über die Kreativität und das handwerkliche Können eines Künstlers, wie der Direktor der Albertina in Wien, Klaus Albrecht Schröder verdeutlicht: „So groß der Unterschied zwischen einer Zeichnung Albrecht Dürers und einer Pablo Picassos in zeitlicher und künstlerischer Hinsicht auch sein mag, es verbindet sie doch ein durchgängiger Begriff von Zeichnung, der von der Idee der subjektiven künstlerischen Handschriftlichkeit getragen ist, und zu dem sich die Eigenschaften der Spontaneität und Einzigartigkeit, auch der kapriziösen Launenhaftigkeit oder meisterhaften Virtuosität gesellen.“

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Der Brückenschlag zwischen den ganz unterschiedlichen Bildwelten von Ulrike (erste Reihe) und Philip Langen gelang dem Gitarristen Neven Sulic. 

 

   „Alle Kunst ist der Freude gewidmet“, hat einst Friedrich Schiller postuliert. Als ob er Ulrike Langen schon gekannt hätte. Denn sie verrät in ihren Bildtiteln und der Anmutung ihrer technisch ausgereiften Frauenporträts wie "Girl in love", "Lady in red", "Feel the spirit", "Magic touch" oder "Vivere" diese innere Nähe zum Dichterwort.  Daran beteiligt ist ihr Mann. Zeichnungen und Malerei von ihm, zum Teil eingescannt und auf der Festplatte bereitgestellt, erhöhen den Formenreichtum und damit den narrativen Gehalt ihrer Werke. Ohnehin bestimmen zeichnerische Elemente beider Schaffen. Als eigentliche Zeichnung, als Graffito oder als Streetart-Statement. Von Philip Langens meisterhafter Zeichenkunst künden seine mit Bleistift zu Papier gebrachten realistischen Porträts von sich und seiner Frau. 

     In ihren Grundzügen hat die dem mediterranen Leben innig verbundene Ulrike Langen die Geschlechtsgenossinnen aus der Antike in die Gegenwart verpflanzt und in der Tradition der Pop-Art aktualisiert. Eines der Bilder benennt in meiner Interpretation diesen Prozess: Das „Pop Up Girl“ erscheint plötzlich auf dem Schirm der Gegenwart. Gottseidank haben wir keinen Pop-up-Blocker installiert. Ihre packenden Inszenierungen des Weiblichen erhalten vor allem in den neueren Arbeiten eine angemessen große Bühne. Ihre dreidimensionalen Zweiteiler aus Aludibond und Acrylglas wie „Emozione“ haben ein hohes Verführungspotenzial.

    Jede Arbeit ist ein aus ca. drei bis fünf handgezeichneten und oder –gemalten Originalen digital collagiertes Kunstwerk. Da jedes dieser Werke aus dem PC nach dem Ausdrucken wiederum bemalt wird, ist jedes letztlich ein Unikat. Die Fixierung auf handgebürstetes Aluminium erhöht bei einigen Arbeiten nicht nur die optische Wertigkeit. Wie „Don’t ask why“ (Frage nicht warum) ziehen sie den Betrachter hinein in ihre Tiefe.

    Mit der digitalen Technik hat sich Ulrike Langen in ihrem Berufsleben bereits beim Design von Stoffen und Schals vertraut gemacht. So lag es in der Logik der künstlerischen Sache, dass sie ihre von amerikanischen Pop-Art-Größen wie Roy Lichtenstein und Tom Wesselmann inspirierte analoge Malerei mit der digitalen schöpferischen Arbeit am Computer verbunden hat. Wer in dieser Ahnengalerie der zeitgenössischen Moderne auch die epochalen Siebdrucke von Andy Warhol vermutet, liegt keinesfalls daneben. Als Referenz an den Siebdruckmagier kann man die kleinen, feinen – und leider unverkäuflichen – Mixed Media Arbeiten auf Papier von Ikonen der Pop- und Filmgeschichte lesen, wie Jimi Hendrix, John Lennon, Sophia Loren, Brigitte Bardot oder Marilyn Monroe.

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Frauen unter sich.

 

    Ulrike Langens Bild gewordene Hymne an die weibliche Schönheit hat u.a. das Kunstmagazin „Art Profil“ in seine unter dem Motto „Porträts im 21. Jahrhundert“ stehende Dezemberausgabe 2016 aufgenommen. Das Titelbild „Stripes Girl“ stammt von der Künstlerin. 

        „The world is blue“ hat Philip Langen eine seiner berückenden Acrylarbeiten benannt. Die Seelenverwandtschaft mit einem der zauberischen Zweiteiler seiner Frau ist unverkennbar. „Don’t forget to make you happy“ (Vergiss nicht, dich glücklich zu machen) mahnen und verheißen die dunklen Augen und die vollen Lippen. 

Wolfgang Nußbaumer

Info:  Bis zum 26. Februar werden die Arbeiten des Künstlerpaares im Foyer der Landkreisverwaltung in Aalen und in der Haußmannstraße in Schwäbisch Gmünd zu sehen sein.

 

 

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