Swingen, was das Horn hergibt Empfehlung

Unter Strom: das OJO unter der Leitung von Gerhard Ott breitet für Norbert Botschek den heißen Klangteppich aus. Unter Strom: das OJO unter der Leitung von Gerhard Ott breitet für Norbert Botschek den heißen Klangteppich aus. Fotos: -uss

Das Leben sei kein Wunschkonzert, behauptet der Volksmund. Doch manchmal irrt des Volkes Stimme.

   Für einen Freitagabend lang war es ein Wunschkonzert. Beim Jubiläumskonzert des „Ostalb Jazz Orchestra“ (OJO) in den knallvollen Parterresälen des „Roten Ochsen“ in Ellwangen. Und das Volk irrte gerne.

    In der Kulturstadt an der Jagst stand vor zehn Jahren die Wiege des Orchesters. Und in Wehen lag dort vor einer Dekade ein Mann. Gerade in der einstigen Propsteistadt ein eher seltenes Ereignis. Thomas Bader heißt der Wundermann, der dort nicht ein Kind, nicht zwei, noch Drillinge, nein, eine ganze Big Band zu Welt bringen wollte. Dafür hat er sich einiges aufgerissen; vor allem die Finger beim Wählen am Telefon.

    Sein Glück war, dass ihm neben dem getreuen Eckart Eberhard Wolf - ihm ist auch der flott geschnittene filmische Rückblick zu danken - bei dieser Geburtsstunde eine Frau zur Seite stand. Die soulige Gospelstimme Tanja Gold, damals noch ohne Hagel, wie der Vormann des Orchesters den jubelnden Fans im Rückblick auf die zehn Jahre verriet. Sie rief er als erste an. Sie sagte ohne Nachfrage zu. Sie wurde das Sesam-öffne-dich. Denn wenn die Tanja mitmacht, kann es ja nur etwas Tolles sein.

     Wie toll hat die Frau mit der großen, wohl temperierten Stimme beim Jubiläum solo („Cheek to Cheek“, „Comes love“), im kessen Duett mit Karin Ott („Weibsbilder“) und im Trio mit ihr und dem in jeder Hinsicht vor Volumen berstenden Norbert Botschek (er ist der „Soulman“) dem Publikum in die Ohren gejubelt.

Trio OJO.jpg

Norbert Botschek lässt zusammen mit Tanja Gold-Hagel und Karin Ott den "Soulman" von der Leine. Vorne wartet der Orchester-Vormann Thomas Bader auf seinen Einsatz, während Hans-Jörg Beiderwellen-Fuchs schon ins Horn stößt.

 

    Ohnehin prägt dieser Reichtum an Klangfarben und Stilen das Profil der Band. Neben deren locker-souveränem Leiter Gerhard Ott haben in den zehn Lehr- und Wanderjahren dazu einige Größen der Landesjazzszene wie der Saxophonist Klaus Graf, der Pianist und Arrangeur Klaus Wagenleiter und der charismatische Schlagzeuger Obi Jenne beigetragen. Entsprechend vielfältig konnte die Truppe ihr persönliches Wunschkonzert gestalten.

     Was sie sich nicht alles herausgesucht haben. Um nur einige besonders hell leuchtende Sterne des Firmaments zu erwähnen: Der „Groovemaker“ von Peter Herbolzheimer („Der groovt wie die Sau“,  erklärt Bassist Markus Fingerle seine Wahl).  „Tausendfinger“ René Wolf  hat auf seiner E-Gitarre das staunende Publikum mit einer Irrsinnsdosis „Durban Poison“ („Das ist eine Art Marihuana“) „high“ gemacht.  Nat Adderleys „Sweet Emma“ zählt nicht erst zu den Klassikern, seit Frank Elstner das Stück als „Opener“ für seine Sendung „Menschen“ populär gemacht hat, wie der badische Tastenmann Paul Gräupner erläutert. Dann gibt der Turbo Vollgas.

     „Sie können die Ohrstöpsel jetzt rausnehmen“, rät Martin Sandel, bevor er auf dem Altsaxophon mit langem Atem ohne klebrige Süße den „Lover Man“ besingt. Wer seinen Rat nicht befolgt hat, ist selbst schuld.  Dann sind ihm auch die höchst gepflegten „Stolen moments“ entgangen sowie der „Orange Coloured Sky“, den Karin Ott beswingt besingt.

      Irgendwann muss auch diese „Swinging Safari“ zu Ende gehen, wie der eloquente Moderator und Gründungsmitglied Thomas Frindt bedauert. Schöner als mit Glenn Millers „Moonlight Serenade“ kann man indes kaum in die kalte Nacht entlassen werden.

 

Wolfgang Nußbaumer    

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