"Vogelhändler" serviert Ohrwürmer

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"Vogelhändler" serviert Ohrwürmer
Das Operettentheater Salzburg konnte sich über ein volles Haus im CongressCentrum Stadtgarten freuen.
   Aufgeführt wurde „Der Vogelhändler“. Das Erfolgsstück von Carl Zeller aus dem 19. Jahrhundert hat sich mit seinen Evergreens einen Namen gemacht. Fast jeder hat wohl Melodiefetzen der Arien „Schenkt man sich Rosen in Tirol“, „Ich bin die Christel von der Post“ oder „Grüß euch Gott, alle miteinander“ im Ohr. Die Bekanntheit des Vogelhändlers ist hauptsächlich seinen eingängigen Liedern zu verdanken. Die Stimmen von Adam, dem Vogelhändler aus Tirol, alias Camille dell’Antonio, der Postlerin Christel alias Christine dell’Antonio und der Kurfürstin Marie alias Katharina Gebauer brillierten mit schönem Melos. Unter dem Dirigat der zierlichen lebhaften Katalin Doman intonierte das Orchester Brasov Polken und Walzer und sorgte für den musikalischen Rahmen zum komödiantischen Spiel.
    Der erste Akt spielte in der dörflichen Umgebung der Rheinpfalz. Die Trachten der bäuerlichen Bevölkerung vor der Kulisse von Jagdpavillon und Dorfschenke bildeten die perfekte Grundierung für die Dorfposse. Der Kurfürst hatte sich überraschend zur Wildschweinjagd angesagt. Zu dumm, dass es gerade keine Wildschweine mehr zum Schießen gab. Die Bauern hatten gründlich gewildert. Baron Weps, der kurfürstliche Wald- und Wildmeister, alias Ivajlo Guberov und der Dorfschulze Schneck alias Max Sahliger hatten also ein Problem mit der knappen Resource Wildschwein. Eine weitere Mangelware stellte die Ehrenjungfrau dar, die beim Begrüßungskomitee nicht fehlen durfte, um dem Kurfürsten einen Blumenstrauß zu überreichen. Die findigen Honoratioren fanden auch für diese Kalamität eine Lösung. Mit Geld lässt sich fast alles regeln. Ein mit Schuhwichse gefärbtes Ferkel mimt die Wildsau und eine mehrfache junge Witwe wird zur Ehrenjungfrau.
    In diese Großwetterlage zieht der pfiffige Vogelhändler Adam gerade ein und steuert weitere Details zum bevorstehenden Großereignis bei. Der lustige Tiroler wird mit großem Hallo von den Dörflern aufgenommen. Munter ist das Treiben auf dem Dorfplatz. Ein Beschwipster mit Weinflasche grapscht nach den jungen Mädchen. Die brauchen kein „Me too“ um sich zur Wehr zu setzen, eine Ohrfeige tut’s auch.
   Prächtige höfische Kostüme mit weißen Perücken (Gerlinde Höglhammer) prägen den zweiten und den dritten Akt. Der Spieler und Hallotri Graf Stanislaus, alias Jun Carlos Petruzziello ist der Kohle wegen für seinen Onkel, den Baron Weps, als Kurfürstendarsteller eingesprungen. Der richtige Kurfürst hatte die Jagd abgesagt. Aber schließlich sollte  man auf lukrative Geschäfte nicht verzichten, nur weil sich die Sachlage verändert hat. Als bunter Vogel stolpert Adam durch die höfische Gesellschaft und macht der Kurfürstin, der vermeintlichen Bäuerin Marie schöne Augen. Diese zieht die Fäden in der verwickelten Liebes- und Eifersuchtsgemengelage. Parodiert wird die professorale Stellenbesetzungsjury, Würmchen und Süffle, die verspätet zur Kandidatenexaminierung erscheinen, da sie zuvor dem Weinkeller einen Besuch abgestattet hatten. Die Jury hat die Auflage, den Kandidaten Adam für den Posten des Menageriedirektors zu küren, ungeachtet seiner disqualifizierenden Antworten.
    Die Schauspieler bewegten sich souverän rollenkonform auf der Bühne. Ballett- und Tanzeinlagen schmückten das höfische Fest aus. Unterhaltsam wurde das Garn gesponnen und am Ende aufgedröselt. Die Sprechrollen waren gut zu hören, beim Gesang hätte man sich das auch gewünscht. 
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