Rillings tiefes Gespür für Bach Empfehlung

Rillings tiefes Gespür für Bach Foto: Holger Schneider
Ein ergreifendes Weihnachtsoratorium ist im christlichen Tagungszentrum „Schönblick“ in Schwäbisch Gmünd dargeboten worden.
   Der große Bach-Interpret Helmuth Rilling brachte mit einem jungen Ensemble von 70 Akteuren aus neunzehn Ländern, seinem Bach-Ensemble und renommierten Solisten ein Projekt zur Aufführung, bei dem man spürte, dass es allen Beteiligten eine Herzensangelegenheit war. 
   Dirigent Rilling hatte in einem Meisterkurs die Kantaten 1-3 von Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium einstudiert. Die jungen Musiker aus Europa, USA, Argentinien, Brasilien, Uruguay, Kanada und Puerto Rico hatten sich für den Meisterkurs beworben. Eine beachtliche Leistung für die Sänger mit unterschiedlichen Muttersprachen, dass sie die deutschen Texte in klarer Aussprache mit gut verständlicher Artikulation zu Gehör brachten. Die Einstudierung des Chors oblag Kathy Saltzman Romey, die des Orchesters Lorenzo Ghirlanda. 
   Und es war in der Tat ein bewegendes Hörerlebnis, das dem Publikum geboten wurde. Eine passendere Einstimmung auf die Weihnachtstage als mit Bachs Vertonung der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte hätte man sich nicht wünschen können. 
   Die Pauke mit Jakob Greiner schlägt an und eröffnet das „Jauchzet, frohlocket“, das der Eingangschor für Christi Geburt anstimmt. Bläser und Streicher jubilieren zur Frohbotschaft, die der Evangelist in Rezitativen verkündet. Dem Tenor Martin Lattke kommt die Erzählstimme zu. Das Rezitativ von Sophie Harmsen, Alt, mündet in eine innige lyrische Arie mit Streicherbegleitung. Das wunderbare Timbre ihrer Stimme gewinnt auf Anhieb die Herzen der Zuhörer, besonders ausdrucksvoll im 2. Teil mit der Arie „Schlafe, mein Liebster…“
   Rilling, der Maestro mit schlohweißem Haar, sitzt vor seinen Musikern und gibt mit reduzierten Bewegungen seines Dirigentenstabes präzise Einsätze. Er steht mit seiner ganzen Person und seinem Lebenswerk für eine tieferes Verständnis der Musik. Bachs populäres geistliches Werk mit langsamen Chorälen, seinen Rezitativen und Arien transportiert einen unumstößlichen Glauben in seiner musikalischen Ausformung.
   Die erste Kantate endet mit einer Arie des Basses Klaus Häger wundervoll weich melodisch umspielt von Trompete und Orchester. Den Widerhall der Stimme nimmt die Trompete als Echo auf. Ein weihnachtlicher Choral markiert den Schlusspunkt des ersten Teils. Im dritten Teil verdient das Duett von Sopran, Sophie Klußmann, und Bass, Klaus Häger, „Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen…“ besonderer Erwähnung.
   Als Zugabe singt und spielt das Ensemble „Ich steh an deiner Krippe hier“ und entlässt gut gestimmte Zuhörer auf den Nachhauseweg im nächtlichen Nieselregen.
 
Helga Widmaier 

 

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