Feuerles Heimholung Empfehlung

Feuerles Heimholung Foto: -uss

Am 1. April 1945 verliert sich die Spur des Gmünder Künstlers und Antifaschisten Gerhard Feuerle in den letzten Zuckungen Nazideutschlands.

„Den muss man heimholen“ hat Regina Baumhauer beschlossen. Jetzt ist der Freund der „Weißen Rose“ in seine Heimatstadt zurückgekehrt.  Als eindrückliches Abbild.

    Von Bildern wissen wir, dass sie Jahrhunderte überdauern können – sofern sie exemplarisch gut sind. Dann gewinnen sie nicht nur durch ihre ästhetische Kraft sondern auch durch die Botschaft, die sie Briefen gleich transportieren.  Wie Regina Baumhauers Feuerle-Bild. Diese zerbrechliche Frau mit dem klassisch schönen Gesicht, die ein Windhauch umblasen könnte, überrascht in Begegnung und Schaffen mit einer Intensität, die nur durch Leidenschaft zu erklären ist. Ihr Thema ist die Freiheit im Geiste Schillers. Es erwächst aus einem Leitmotiv, das die Theologieprofessorin Dr. Clare K. Rothschild in dem zur Bildübergabe erschienenen Buch „Die Weiße Rose In Memoriam Presente 1942/43 – 2017/18“ nennt: „Die Überzeugung nämlich, dass das menschliche Erinnern die Wiederholung eines geschichtlichen Kreislaufes unterbrechen könnte.“ Früh infiziert mit einer kritischen Haltung gegenüber dem 3. Reich wird sie bereits in ihrer Schulzeit am Scheffold-Gymnasium. Dort haben ihre Lehrer, anders als an manch anderer Schule geschehen, die NS-Zeit nicht ausgeklammert oder nur im Schnelldurchlauf abgehandelt. 

      Das Bild „Open Letter – FRAMED – Die Weiße Rose für Gerhard Feuerle“ gehört zu einem Zyklus von Gemälden, die Regina Baumhauer den Mitgliedern der Widerstandsgruppe an der Uni München gewidmet hat. Zwar war der junge Mann aus der Stauferstadt nicht an den Flugblattaktionen der Gruppe beteiligt, verfolgt bis in den Tod wurde er gleichwohl, wie die Museumsleiterin Dr. Monika Boosen schildert. Als Soldat an der Ostfront verwundet, wurde ihm für die Zeit der Genesung ein Studiensemester in München genehmigt. Dort kam er in Kontakt mit dem Umkreis der „Weißen Rose“, wurde nach der Hinrichtung der Geschwister Scholl und von Christoph Probst Ende Februar 1943 ebenfalls verhaftet, wieder freigelassen – und zwei Monate später wieder an die Ostfront geschickt. Dort ist er Anfang Juni wieder verhaftet und eingekerkert worden. Bei einem angeblichen Fluchtversuch schwer verwundet, landete er schließlich im Gefängnis Moabit in Berlin, wo er zum Tode verurteilt wurde. Auf Bitten und Flehen seiner Familie wurde das Urteil zwar nicht vollstreckt – der folgende Dienst (ohne Stahlhelm) in einem SS-Strafbataillon war mit zwei Kopfverletzungen jedoch nichts anderes als ein Tod auf Raten.

      Wie sich die Lebensspur Feuerles im Dunkel der Geschichte verliert, so hat die seit vielen Jahren mit ihrer Familie in New York lebende Malerin dessen Züge im durch einen giftig grünen Rahmen begrenzten diffusen Dunkel versinken lassen. Man spürt jedoch seinen Blick wie aus der Ferne – als Mahnung für die Gegenwart. Weiße Rosen rieseln über den wässrigblauen Acrylgrund herab wie einst die Flugblätter in München. Besser kann man keine Metapher für dieses widerständige Verhalten finden, das Regina Baumhauer auch im Bildgespräch mit der Kunsthistorikerin Dr. Evamarie Blattner als Handlungsmaxime förmlich beschwört .

     Geschenkt hat  das Werk dem Museum für seine Dauerausstellung moderner Kunst der Museumsverein. Dessen Vorsitzender Ulrich Majocco hat den Erwerb des Bildes unter anderem als „Beitrag zur Erinnerungskultur unserer Stadt“ begründet.

      Die Farbklänge hörbar gemacht hat Antonia Bott mit einer einfühlsamen Improvisation auf dem E-Piano.

Wolfgang Nußbaumer

Info: Neue Arbeiten aus der Serie “Feuerle im Zauberwald”  werden bei einer großen Ausstellung Regina Baumhauers im Januar und Februar 2018 im Deutschen Haus der New York University zu sehen sein.

   

    

       

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