Ein Fest der Sprache Empfehlung

Ein Fest der Sprache Fotos: Pohlmann

Unerbittlich. Unerbittlich greift das Räderwerk ineinander. Schreitet das Schicksal voran. Unerbittlich drehen sich die Laufbänder zweier Panzerkolosse auf der Bühne des Münchner Residenztheaters.

Unerbittlich nehmen Gut und Böse ihren Weg, obwohl sie im Grunde auf der Stelle treten. Ulrich Rasches preisgekrönte Inszenierung von Schillers Schauspiel „Die Räuber“ nimmt einem den Atem, spektakulär und singulär wie sie ist. Sie ist vor allem eines: Ein Fest der Sprache; transportiert von einer Darstellerschar, die sich ganz in deren Dienst stellen.

   Aufeinander zu schreiten Karl Moor und seine Räuberbande und sein von erbarmungsloser Falschheit durchtränkter Bruder Franz. Ihn verkörpert, genauer kann man es nicht sagen, eine Frau; die großartige Katja Bürkle. Eiskalt kalkulierend, rücksichtslos roh zum Vater (Götz Schulte), nachdem sie seinen Lieblingssohn aus dessen Herzen wegintrigiert hat; devot Karls Geliebte Amalia (Nora Buzalka, ausgezeichnet mit dem Förderpreis 2017)) umsäuselnd, bis sie der Widerspenstigen zeigt, wo der Hammer hängt. Schließlich der panische Affekt im Angesicht des Todes.

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Franz Moors Weg geht zu Ende. Katja Bürkle und das Räuber-Ensemble.

 

     Dieses Ende benennt Rasches Regie nur. Stilisierung ist ihm oberstes Gebot. Nichts soll von Friedrich Schillers durchrhythmisierter Dramatik ablenken. Mehr noch; sie wird spürbar gemacht und zum Klingen gebracht durch die chorische Deklamation in Verbindung mit einem Sängerduo und einem den Text jenseits neutönerischer Übung perfekt akzentuierendem Musikerquartett.

    Damit hat die Inszenierung einen Rahmen, in dem diffuse Romantik und die aufklärerische aber nicht durch sittliche Regeln gezähmte Macht der Vernunft aufeinander treffen. Katja Bürkle lotet den skrupellosen Machtmenschen wie gesagt in allen Facetten aus. Auf Augenhöhe – und nicht nur wenn die Maschinen mal parallel stehen – gelingt das auch Franz Pätzold. Sein Karl will das Gute und watet im Blut. Schillernd zwischen moralischer Instanz und  mörderischer Rachgier.

   Auf und ab bewegen sich die gigantischen Laufbänder. Das Leben ist eine Achterbahn durch Kants kategorischen Imperativ und die kapitalistische Wirklichkeit. Denn die von Ulrich Rasche herausgearbeitete und durch einige zusätzliche Texte geschärfte Typologie offenbart sich als zeitlos. Seine „Räuber“ erkennt man als ein Universaldrama aus dem Gestern, gültig im Heute. Schlechte Aussichten für die Zukunft. 

Wolfgang Nußbaumer

Info: Nächste Aufführungen 27. und 28. Dezember, jeweils 19 Uhr

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