Aufregende Fahrt Empfehlung

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Chris Potter Chris Potter
Die Jazz Mission Schwäbisch Gmünd hatte zum alljährlichen Höhepunkt in den Prediger Saal eingeladen.
Getreu ihrem Motto waren zwei hochkarätige Combos zu Gast. Die erste mit lokaler Anbindung, die zweite aus der Top-Klasse des Internationalen Jazz. 
 
Mit italienischem Temperament spielte das Niccoló Cattaneo Quartett aus Mailand. Bandleader Cattaneo brachte eigene Kompositionen mit sowie solche seines Saxofonisten Reinhold Uhl, der auch das Bindeglied zu Schwäbisch Gmünd war. Drummer Pasquale Fiori hatte den Standard „Tea for Two“ neu arrangiert, den er mit einem großartigen Schlagzeugsolo krönte. 
 
Aus der Feder des Pianisten Cattaneo stammten die beiden ersten Stücke „X“ und „Neanche“. Das Feuerwerkfinale von „Neanche“ klang versöhnlich leise aus. Leicht verträumt, aber nichtsdestotrotz flott intonierte Uhl seinen „Wintersong“ auf der Bassklarinette.  Nahtlos folgte der Übergang zu Cattaneos „Dear Heart“. Er lässt seine Töne aus dem Bösendorfer perlen. Der Drummer gesellt sich dazu. Tenorsaxofon und Kontrabass weben träumerisch balladeske Momente in das Klanggespinst. 
 
„Volo a tela“ Segelflug hat Cattaneo das letzte Stück des Sets genannt, mit dem sich die Band verabschiedete, die bereits mit den ersten Tönen das Auditorium im Predigersaal erobert hatte. Charakterisiert war der Segelflug durch die repetitive Tonsequenz des Bassisten Roberto Piccolo. Als durchgängiges Motiv grundierte Piccolo den Flug. Die Melodie des Tenorsaxofons steigt auf mit der richtigen Windströmung. Dramatische Akzente setzt der Drummer. Die Landung wird von ruppigen Böen begleitet. Piano und Saxofon jubeln über  das gelungene Manöver. 
 
Nach der Pause tritt dann das Trio von Chris Potter auf. Sponsoren hatten den Auftritt ermöglicht. „Wen hättet ihr denn gern?“ hatte Oberbürgermeister Richard Arnold gefragt. Zum Beispiel Chris Potter. Und da waren sie. Die Querflöte zwitschert, flüstert, wispert. Das Tenorsaxofon setzt Signaltöne. Mit Playback und elektronischen Einspielungen inszeniert Bläser Chris Potter den Einstieg. Hämmernde aufrüttelnde Schläge vom Schlagzeuger Eric Harland und vom Pianisten Craig Taborn. Aus dem Klangchaos befreit schließlich das Tenorsaxofon mit einer tiefen Melodielinie, auf die muntere Blassequenzen mit dem Tenorsaxofon folgen. Wie eine Vogelstimme fügt sich die Querflöte in den wellenförmig treibenden Rhythmus ein. Das Sopransaxofon jubelt zum sich steigernden aufputschenden Drive von Piano und Drum. Nach über einer Stunde beruhigt sich die aufregende Fahrt. Noch einmal setzt das Tenorsaxofon abgestufte Tonfolgen in den Raum, gefolgt von einer ruhigen Linie auf der Querflöte auf dem Klangteppich von Piano und Schlagzeug. 
 
Klar, dass sie nicht ohne eine Zugabe gehen dürfen, wobei der Hauptteil des Maxistückes das Publikum deutlich mehr faszinierte als die sehr experimentell wirkende Einleitung. 
 
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