Akkordische Herzensangelegenheit Empfehlung

Akkordische Herzensangelegenheit
 
Als Abschlusskonzert der kleinen Konzertreihe in der Villa Seiz hatte sich Andrea Seiz etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Ein Abend war nur dem Akkordeon gewidmet.
    Andreas Hinterseher, bekannt als Akkordeonist von "Quadro Nuevo", spielte seine neue Komposition „Aus der Stille der Nacht“ für Akkordeon solo. Der Mond stand voll und still in der kalten Nacht über Gmünd. Ein gelungeneres Ambiente für die Musik, die in der „absoluten Stille“ beginnt und „einem unsichtbaren Pfad“ folgt, hätte sich das zahlreiche Publikum nicht wünschen können. Zum dritten Mal trat der Musiker aus München mit dem Werk auf, das ihm eine Herzensangelegenheit war. Eine in sich geschlossene Komposition mit Prolog und Epilog, und zwölf Sätzen dazwischen, war ihm, dem Meister der Improvisation, ein lang gehegter Wunsch. 
    Auf seiner italienischen Victoria aus Geigenbauerholz intonierte er zur Einstimmung ein Intro, wie auf einem „nächtlichen Balkon“ gespielt, leise, wehmütig, sehnsuchtsvoll. Dann beginnt eine Meditation auf dem Akkordeon. Jede Note ist aufgeschrieben und steht auf hundert Seiten auf seinem Tablett, das er mit Fußkontakt umblättert.
    Zwei fast gleich lange Töne nähern sich einander an, verschmelzen in vollkommener Harmonie. Fröhliche lebensbejahende Bilder sieht der aufmerksam lauschende Zuhörer vielleicht vor dem inneren Auge. Frühling, unbeschwerter Aufbruch ins Leben, das mit unbezwingbarer Kraft das Wachsen in der Natur  steuert. 
   Mitten in der satten Natur, der attraktiven Landschaft, der unendlichen Weite des Horizonts steht der Mensch, sucht und forscht nach einem festen Punkt, einer Orientierung, einem Halt. Kaum glaubt er diesen gefunden zu haben, entgleitet dieser wieder sanft. Harmonien überlagern sich, eine kleine Melodie taucht auf und löst sich wenig später auf. 
   Der Weg nach Hause geht auf verschlungenen Pfaden zunächst in eine reizvolle Fremde. Eine lange Wanderung führt über Ebenen, Gebirge, Wüsten, Gewässer; deren Verbundenheit wird versinnbildlicht durch sechsmal sechs Akkorde in sechs Tonarten, die miteinander verknüpft das Ineinandergreifen allen Lebens symbolisieren. 
   Die Meditationsreise verwebt kraftvoll Mensch und Kosmos. Unbeirrbar, undurchdringlich umhüllt das Universum das einzelne Menschenleben, mit seinen Versuchen, Scheitern, Verlusten bis der erlösende Ton erreicht ist. Ruhe kehrt ein und am Ende keimt bereits wieder ein neuer  hoffnungsvoller Anfang. 
   Dem konzentriert versunkenen Meditationspublikum schenkt Hinterseher als Zugabe noch einmal eine Zwischenstation auf der Traumreise durch das Leben. Im Aufführungsraum in der Villa Seiz ziehen Gemälde von Max Seiz die Blicke der Menschen an, die auf ihre Weise das menschliche Leben mit Leichtigkeit, Tanz und Grazie verkörpern und auf die kommende Retrospektivausstellung seines Schaffens voraus weisen. 
wid
 
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