Zaubersound mit „Obis“ Hilfe Empfehlung

"Obi" wie er schlägt und lacht. "Obi" wie er schlägt und lacht. Fotos: -uss

War das ein Heidenspaß. Big Band-Jazz als Familienfest.

Obwohl sogar Miles Davis mit seinem Jahrhundertalbum „Kind of Blue“ in den Maxisound gepackt wird. Unerhört. Wunderbar. Das Konzert des Ostalb Jazz Orchestra (OJO) Sonntagabend im proppenvollen Foyer des Peutinger-Gymnasiums in Ellwangen. Dieser Spaß hat einen Namen: Meinhard „Obi“ Jenne. Ein Hexenmeister an der Schießbude und unbändig charmanter Entertainer der Extraklasse.

    Zwar schien OJO-Vormann Gerhard Ott die Hommage aus dem Munde von Bürgermeister Volker Grab fast zu viel des Guten. Aber zumindest mit der Sternstunde dieses Abends lag der Band-Fan aus dem Ellwanger Rathaus nicht daneben, als er das allherbstliche Konzert als „das Jazz-Highlight östlich von Stuttgart“ rühmte.

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Die zusammenarbeit war riesig, lobt "Obi" Jenne Thomas Bader.

 

   Als sich zu fortgeschrittener Stunde der Vorsitzende der Jazzinitiative Ellwangen und Tieftöner der Sax-Sektion der Band, Thomas Bader, mit seinem staubtrockenen Humor bei allen am Gelingen beteiligten Mitmenschen bedankt, hat gerade der Goodman-Klassiker „Sing, sing, sing“ mit einigen Originalschlagwechseln Gene Krupas aus dem legendären Konzert 1938 in der Carnegie Hall in New York sein heißes Ende gefunden.  

   Der Sonnyboy „Obi“ Jenne ist ein mit allen percussionistischen Wassern gewaschener legitimer Nachfahre Krupas. Mit dem jungen OJO-Schlagzeuger Alexander Röck hat er an diesem Abend einen Partner, der sich im Geiste Krupas zu einem soliden Big Band-Drummer mit hoffnungsvoller Perspektive entwickelt hat. Immer wieder lächelt er ihm anerkennend zu wie in der Drum-Battle aus der Feder von Thilo Wolf. Dieser hat mit seiner Band ebenfalls schon im Ellwanger Schloss gespielt. Ins Horn stieß unter anderem Axel Schlosser aus Oberkochen, heute Trompetenstar der HR-Big Band.

   Das vom Swingklassiker bis zum heißen James Brown-Funk weit gespannte Programm fordert den Schlagzeugern auch alles ab. Ellingtons „Mood indigo“ im Sambarhythmus, der wilde frühe Punk-Titel „Pick up the pieces“, Glenn Millers ganz entspannt dahin gleitende „Moonlight Serenade“, „Chano“ Pozos kubanisch grundiertes „Manteca“ in der Version des großen Bebop-Trompeters Dizzy Gillespie.

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   Über dem schwärmenden Schwelgen in all den von hervorragenden Solisten aus dem OJO-Kollektiv veredelten „Instrumentals“ darf man die beiden Vokalisten nicht vergessen: Tanja Gold-Hagel – sie hat mit ihrer in jeder Hinsicht großen Soul-Stimme einem über 80 Jahre alten Song wie der melodisch vertrackten Swingballade „You go to my head“ oder Eydie Gormés „Too close for comfort“ neues Leben eingehaucht und mit „Street Life“ von den „Crusaders“ das ganze Volumen ihrer Stimme ausgeschöpft. Norbert Botschek: Mit dem von Klaus Wagenleiter arrangierten Soul-Klassiker „Me and Mrs. Jones“ degradiert er den „Tiger“ Tom Jones (fast) zum Bettvorleger, verjazzt einen Beatlessong spektakulär, jagt zu James Brown über die Bühne und und und.

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   Und dann ist Schluss mit dem fulminanten „I’m so exited“ der Pointer Sisters, mit dem sich „Obi“, OJO und Co. von ihren stehenden Fans verabschieden.

Wolfgang Nußbaumer

                    

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