Vielfalt als Chance Empfehlung

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Landtagspräsidentin Muhterem Aras hält ein flammendes Plädoyer für ein "wunderbares Land". Landtagspräsidentin Muhterem Aras hält ein flammendes Plädoyer für ein "wunderbares Land". Fotos: Gerd Keydell/Schloss Kapfenburg

Bei den "Begegnungen auf Schloss Kapfenburg" hält Landtagspräsidentin Muhterem Aras ein flammendes Plädoyer für Deutschland.

Was hat die Landtagspräsidentin Muhterem Aras gegen Ende ihrer Rede bei den „Begegnungen“ auf Schloss Kapfenburg da gerade gesagt? „Ich bin dankbar, in diesem wunderbaren, weltoffenen Land leben zu dürfen.“ In diesem Deutschland, dessen Basis die Vielfalt sei.

     Gut, dass sie es gesagt hat – und wie sie es gesagt hat. Mit ihrem durch ihre Herkunft aus einfachen Verhältnissen in Anatolien geschärftem Blick öffnet die zierliche Powerfrau  den betriebsblinden Deutschen ohne Migrationshintergrund im voll besetzten Trude Eipperle Rieger-Konzertsaal die Augen für eine im Grundgesetz verankerte Wirklichkeit der Toleranz, der Vielfalt und des Respekts vor einander.

    Über die AfD mag sie gar nicht reden. Was sind 13 gegen 87 Prozent. Ohne die Worthülsen des Politsprechs impft sie ihr Publikum gewinnend authentisch mit ihrer Botschaft, die sie in ihren Vortrag mit dem Titel „Vielfalt als Chance“ verpackt hat: „Zusammenhalt in Vielfalt“. Dieses Motto setzt allerdings ein modernes Verständnis von Heimat mit „Vielfalt“ als Schlüsselbegriff voraus. Dann nimmt sie den Schlüssel und öffnet die Bandbreite: Was wäre Deutschland heute ohne die einstigen „Gastarbeiter“ aus halb Europa und ihre kulturellen Errungenschaften, die sie hier implantiert haben. Ohne sie hätte es weder ein Wirtschaftswunder gegeben, noch „Made in Germany“ als  Qualitätssiegel, noch dauerhaften Wohlstand. Und können wir uns heute ein Deutschland ohne Pizza, Tapas, Gyros oder Döner vorstellen? Oder die Künste ohne die „fremden“ Stimmen und Handschriften? Wir wären wahrlich arm dran, stellt die Präsidentin fest. „Vielfalt“, daran lässt sie keinen Zweifel, „ist der harte Kern unserer Stärke“. Deshalb warnt die grüne Gallionsfrau vor einem Auseinanderdriften sozialer Milieus, vor einer Spaltung zwischen Arm und Reich.

   Ja, Wohlstand ist Verpflichtung. Sonst gäbe es diese Internationale Musikschulakademie nicht, noch die nach der großartigen Sopranistin benannte Trude Eipperle Rieger-Stiftung, die zusammen mit der Stiftung Schloss Kapfenburg den Förderpreis verleiht. Darauf haben Landrat Klaus Pavel und Akademiedirektor Erich W. Hacker ihre Zuhörerinnen und Zuhörer „im Kulturwohnzimmer der Ostalb“ (Pavel) mit Nachdruck hingewiesen.

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Starkes Preisträgerduo im Duett.

 

    Vielfalt, wohin man blickt. Ein Blickfang ohnegleichen tritt in Gestalt der in Israel geborenen Altistin Noa Beinart auf die Bühne. Mit ihrer Stimme kann die dunkelhaarige Sängerin im Walkürenformat mühelos den grünen Wagnerhügel beschallen. Im Schumann-Lied („Du bist wie eine Blume“) und der Rossini-Arie („Cruda sorte“ aus „L’italiana in Algeri“) steigt sie mühelos und volltönend von klarer Tiefe bis in beachtliche Höhen. Bandbreite nach dem Geschmack von Muhterem Aras.

    Absolut preiswürdig auch ihr bayerischer Kollege Matthias Winckhler. Mit seinem warm timbrierten Ton und geschmeidiger Stimmfülle wird er sowohl Schuberts „Sehnsucht“  wie der Mozartarie aus dem „Don Giovanni“ gerecht. In der jungen polnischen Pianistin Ewa Danilewska haben die beiden Vokalisten eine verlässliche Begleiterin. Ihre Preise, die ihnen Pavel, Hacker und die Landtagspräsidentin überreichen, sind hoch verdient.  Zwei Stimmen mit großer Zukunft.

 

Info: Der frühere Chef der Kreissparkasse Ostalb, Karl Trinkl, ist neuer Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Schloss Kapfenburg. Dies hat Landrat Klaus Pavel bei den „Begegnungen“ mitgeteilt.

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