Natur ein weites Feld für Kunst Empfehlung

Als verschlungene Pfade weisen in Birgit Barths Performance rote Bänder den Weg vom Rathaus zum Urweltmuseum Als verschlungene Pfade weisen in Birgit Barths Performance rote Bänder den Weg vom Rathaus zum Urweltmuseum Fotos: -uss

Die Ausstellung „Natur in der Kunst – Kunst aus Natur“ zeigt in der Rathausgalerie und im Urweltmuseum Arbeiten von 32 Kreativen – und der Mutter Erde.

„Boffzt2“ blickt missbilligend auf die bunten Kürbisrundlinge zu seinen Füßen. Erheben sie den Anspruch „Kunst aus Natur“ zu sein – wie der zweite Teil des Titels der am Sonntag eröffneten Ausstellung in der Rathausgalerie und im Urweltmuseum Aalen verspricht? Die üppige Gemüsekolonie auf dem Rathausvorplatz degradiert die immerhin drei Meter hohe abstrakte Plastik von Martina Ebel vor dem Eingang zur Galerie zur Staffage. Die „Natur in der Kunst“ drin im Rathaus konfrontiert die zahlreichen Vernissagegäste noch mit mehr Ungereimtheiten. 

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    Mit einem von Charles Baudelaire entlehnten Zitat des Malers Eugène Delacroix umreißt die Kuratorin der Ausstellung, Natascha Euteneier, deren Essenz: „Die Natur ist nur ein Wörterbuch.“ In ihren mannigfaltigen Erscheinungsformen liefert sie den Stoff für die Transformation in Kunst. Die 32 eingeladenen Künstlerinnen und Künstler haben sich nicht lumpen lassen. Auf zwei Etagen breiten sich die unterschiedlichsten installativen, plastischen, grafischen, malerischen und fotografischen Annäherungen an die Natur aus. Sie treten gleich am Eingang in eine ästhetisch und thematisch gewinnende Korrespondenz wie

die Bodenarbeit aus gesiebtem Kompost („Carpet 2“) von Beate Gabriel mit den einen hauchig zarten floralen Inhalt bergenden Objektkästen von Angela Flaig. Oder die Zwiesprache, die Armin Göhringers archaisch anmutenden Bütten-Wandtafeln  und seine in ihrer in sich ruhenden Erhabenheit nicht nur handwerklich fantastischen Holzstelen mit der Alabasterskulptur und den „stillen“ Collagen von Rotraud Hofmann und dem exquisit-dezenten Farbstifttriptychon „Fels“ von Ingrid Theinert halten.

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     Es gibt viele ästhetisch überzeugende Arbeiten zu entdecken. Deren Urheber alle zu würdigen, würde den Raum dieses Artikels sprengen. Mehr als ein Wermutstropfen ist indes die ziemlich willkürliche Verteilung der schönen Dinge auf zwei Etagen. Erstens wäre es sinnvoll gewesen, die Werke der einzelnen Künstler en bloc zu zeigen – und zweitens von der Gewichtung angemessen: Rosalies munter-kecken „Frosch“ auf der ersten Etage zwischen zwei Bürotüren zu quetschen, tut weh. Auch die mit ihrer klaren Detailstruktur gewinnenden Fotografien Johanna Natterers hätten einen besseren Platz verdient.

    Offensichtlich hatte die städtische Ausstellungsmacherin zu viel Hängekunst für zu wenig Wand. Insofern erweist sich Ines Tartlers ironisches Aperçu „wir alle hängen an dir“, das klein und unscheinbar an einer Betonsäule baumelt, als kuratorischer Hilferuf.

    Ja, die Pfade der Kunst sind so verschlungen wie die von Birgit Barth choreografierte metaphorische Performance. In weiße Overalls gehüllte Personen winden, schlingen und ziehen breite rote Bänder vom Rathaus zum Urweltmuseum. Irgendwann kommen sie an.,

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Hans-Dieter Bolter erläutert seine fossilen Arrangements.

 

     Dass die Natur immer noch die beste Lehrmeisterin ist, zeigt der Gang durch das an mannigfaltigen Fossilien überbordende Urweltmuseum. Es ist die Verteilung auf zwei so unterschiedliche Orte, die diese Ausstellung in den Worten des begrüßenden Bürgermeisters Karl-Heinz Ehrmann „zu etwas Besonderem“ macht. Aber nicht nur das. Wirken die Ammoniten und co. ohnehin nicht schon wie praehistorische Kunstobjekte, so haben sie durch die klugen und sinnfälligen Arrangements von Hans Dieter Bolter einen durchaus humorvollen Gegenwartsbezug erhalten.

    Darauf hat der Museumschef und vorzügliche Fotograf Ulrich Sauerborn zu Recht hingewiesen. Was Mutter Erde selbst an meisterhaften Farbnuancen zu bieten hat, zeigen die von Robin Messer präparierten Stubensandsteinprofile in Museum und Galerie. Schließlich vermerkt man mit großem Sehvergnügen, wie Horst Kuschel mit Blei- und Silberstift die Tradition der Objektzeichnungen weiterführt.

   So bleibt als Metagewinn dieser Ausstellung, dass das Urweltmuseum wieder in den Fokus breiter Wahrnehmung gerückt ist. 

Wolfgang Nußbaumer

 

Info: Die Ausstellung mit Arbeiten von Alfred Bast, Regina und Monika Baumhauer, Anita Bialas, Andreas Böhm, Hans Dieter Bolter, Isa Dahl, Martina Ebel, Angela M. Flaig, Gisela Fürst, Beate Gabriel, Armin Göhringer, Heidi Hahn, Monika Hoffer, Rotraud Hofmann, Klaus Joas, Sam Kohn, Horst Kuschel, Simon Maier, Robin Messer, Johanna Natterer, Fritz Nuss, Stefan Rohrer, Rosalie, Ulrich Sauerborn, Waltraud Schwarz, Ines Tartler, Ingrid Theinert, Kurt Theinert, Andreas Welzenbach, Heiner Wolf und Werner Zaiß ist bis 26. November zu sehen. 

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