Langholz und Saiten

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Langholz und Saiten

Zwei junge Musikerinnen haben die Reihe der Gmünder Schwörhauskonzerte mit Fagott und Harfe eröffnet.

Vor gut besuchtem Schwörsaal präsentierten die Lehrkräfte Arlette Probst, Fagott, und Magdalena Walesch, Harfe, ihre Instrumente, die noch nicht sehr lange an der Gmünder Musikschule erlernt werden können, wie Musikschulleiter Friedemann Gramm erklärte. 

Mit einem Tango des brasilianischen Komponisten Ernesto Nazareth stimmt das Fagott in den beschwingten Tanzrhythmus des „Famoso“ ein, begleitet von Harfenklängen.

Der Schweizer Komponist Joseph Lauber schrieb mit seiner „Sonatine pour basson et harpe“ das einzige Stück des Abends, das speziell für die beiden Instrumente komponiert worden war. Eigenständige Stimmen für beide Instrumente kennzeichnen das Stück. 

Ein Harfensolo des französischen Komponisten Gabriel Pierné zeichnet sich durch wundervolle Akkorde und Arpeggien aus. Akzentuiert lässt Walesch die Saiten klingen. Eine irische Melodie für Harfe solo, die eigentlich für die kleinere irische Harfe gedacht war, spielt Walesch auf der großen Konzertharfe, was dem musikalischen Genuss sicher in keiner Weise Abbruch tat. 

Die beiden Musikerinnen führten abwechselnd kurz in die Stücke ein. Der italienische Oboist Antonio Pasculli schrieb eine Hommage à Bellini, für den großen Opernkomponisten, für sein eigenes Instrument oder das verwandte Englischhorn und Harfe. Probst hat die Stimme für ihr Fagott umgeschrieben, wie sie erklärte. Aus einem langgezogenen Fagottton löst sich langsam eine tiefe erdverhaftete Solomelodie. 

Erik Saties „Gymnopédie Nr. 1“ wird als einfühlsames Stück, geradezu einschmeichelnd mit lang andauernden Bläsertönen interpretiert. Alle diese Kompositionen stammen aus dem Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts. 

Das ändert sich mit der Schöpfungsgeschichte der Hopi-Indianer des 1948 geborenen Philippe Hérsant. Die Legende handelt, wie Probst weit ausholend erzählte, von der mehrfachen Zerstörung der Welt und ihrem darauffolgenden Wiederaufbau. Programmmusikartig ließ sich der Schöpfungsmythos des Fagottsolos nachempfinden. Hörbare Brüche bildeten lautmalerische Einschnitte in den gestörten Solovortrag. 

Zwei Jahrhunderte zurück führte ein weiterer Griff in die Welt der Oper mit dem Reigen seliger Geister von Christoph Willibald Gluck.  Das Fagott taucht ein in die melancholisch verzweifelte Stimmung des Orpheus im Hades. Bevor Georg Friedrich Händel Largo aus der Oper Xerxes gespielt werden konnte, musste die Harfenistin wegen eines Saitenrisses erst mal eine Saite auswechseln. Ihre Kollegin am Fagott unterhielt so lange das Publikum. Friedemann Gramm kam ihr zu Hilfe und nutzte die Gelegenheit für Informationen zu weiteren Konzerten in der Reihe. 

Astor Piazzolas Street Tango stellte den letzten  Programmpunkt im gut ausgewählten Repertoire dar. Als Zugabe schickten die beiden Interpretinnen ihre begeisterten Zuhörer mit einem träumerischen Moonlight von Glen Miller auf den vom Mond beschienenen Heimweg. 

wid

 

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