Der Winter kann kommen Empfehlung

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Die Schauspielerin Angela Winkler Die Schauspielerin Angela Winkler Foto: Ruth Walz

Der 31. Gschwender Musikwinter bietet von Oktober 2017 bis Juli 2018 wieder alles, was das Herz begehrt. Der Kartenvorverkauf beginnt ab sofort.

Ohne den engagierten Einsatz von über 60 Ehrenamtlichen aus der ganzen Region hätte sich die Kulturinitiative Gschwender Musikwinter wohl kaum über 30 Jahre halten und immer wieder ein neues Publikum anziehen und das Stammpublikum halten können.

Das jüngste Kind im musikalisch-literarischen Reigen ist die Reihe „Rendezvous“, die nach der Einweihung des bilderhauses ihren etwas skurrilen Auftakt mit Schnee, Eiseskälte, acht Gästen und dem Bremer OB Hans Koschnick und Stadthalter von Mostar hatte. Sie ist den kleinen Anfängen längst entwachsen und freut sich seit drei Jahren über ein immer ausverkauftes Haus mit über 100 Plätzen. Das ist natürlich der gesellschaftspolitisch relevanten Themenauswahl der Initiatoren geschuldet. Nach dem Fokus auf Europa, die Demokratie oder den Westen, fällt das Schlaglicht auf die Zivilisation. Wie wir miteinander umgehen wollen.

Gero von Randow, „Zeit“-Journalist und Kulturkritiker, eröffnet die Reihe am Mittwoch, 8. November, mit einem reklektierenden Blickwinkel auf den Begriff Zivilisation.

Muhterem Aras, die Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg, nimmt die besorgniserregenden Entwicklungen in der internationalen Politik unter die Lupe am Mittwoch, 22.November. mit der Fragestellung „Ist die Diplomatie am Ende?“

Axel Hacke, Schriftsteller und Kolumnist der Süddeutschen Zeitung, geht im Gespräch mit Deutschlandfunk-Moderatorin Susanne Führer der Frage über die Missachtung des bürgerlichen Anstands in unserer Gesellschaft nach am Mittwoch 10. Januar 2018.

Barbara Sichtermann, Journalistin und Schriftstellerin und eine der Protagonistinnen der 68-Bewegung blickt nach einem halben Jahrhundert zurück auf den Generationenaufbruch, der mit den verkrusteten gesellschaftlichen Strukturen aufräumen und eine Grundlage für eine moderne liberale Demokratie schaffen wollte. Ihr Beitrag am Mittwoch 24.Januar 2018 steht unter dem Adorno-Zitat „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“

Prof. Dr. Wolfgang Schmidbauer, Psychotherapeut und Sachbuchautor, spricht am Mittwoch, 21. Februar 2018 über „Der Mensch als Bombe“ - Empörung und Zorn im öffentlichen Raum. Nicht nur narzisstische Wut und Rachsucht wachsen, sondern auch die Bereitschaft zur Einfühlung.

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Anja Kohl, Politikwissenschaftlerin und Wirtschaftsjournalistin, analysiert mit Gespräch mit Prof. Dr. Rudolf Hickel, Politischer Ökonom und Finanzwirtschaftler, die aktuellen Fehlentwicklungen in der Wirtschaft und den Finanzmärkten am Mittwoch, 7. März 2018

Prof. Dr. Harald Welzer beschließt die Reihe am Mittwoch, 21. März 2018 mit einem Aufruf zum Aufstand der Anständigen „Engagiert Euch“. Visionen, alternative Lebensstile und Wirtschaftsformen hat sich der Zukunftsforscher zur Aufgabe gemacht gegen den Zusammenbruches politischen und sozialen Ordnung in weiten Teilen der Welt. Weiterbauen am zivilisatorischen Projekt heißt sein Vortrag.

Joseph Roth im Fokus

Immer liegt der Schwerpunkt auf einem ausgewählten Land. Dieses Mal ist es die Ukraine, jedoch nur der westliche Teil des früheren Galizien, das heute zum Teil auch zu Polen gehört. Das alte Lemberg hat hochkarätige Schriftsteller hervorgebracht. Ein Land mit vielen Ethnien und vielen Sprachen.

Martin Pollack, langjähriger Spiegelkorrespondent, führt in das historische Galizien von Joseph Roth, Manes Sperber, Sascha Kaléko, Paul Celan, Rose Ausländer und Stanislaw Lem ein am Samstag 4. November.

Am Freitag, 29. November. lesen Christian Brückner und Lena Stolze aus dem Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan, die leidenschaftliche Liebesgeschichte zweier Menschen, die es doch nicht miteinander aushalten konnten.

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Samuel Finzi. (Foto: Roman Goebel) 

 

 

Der Schauspieler Samuel Finzi liest Joseph Roths großen galizischen Roman "Hiob". Wie eine mündlich tradierte Saga kommt der Roman eines einfachen Mannes daher, der bis heute unwiderstehlich ergreift. Samstag, 13. Januar 2018.

Auf die Bühne im Bilderhaus bringen die Schauspieler Ernst Konarek, Lisa Wildmann und Wolfgang Seidenberg mit viel hintergründigem Humor Joseph Roths „Der Trinker“. Die melancholische Säuferstory wird am 10. Februar 2018 aufgeführt.

Angela Winkler liest Rose Ausländer und Selma Merbaum, am Akkordeon begleitet von Valentin Butt am Samstag, 10.März. Beides sind jüdische Dichterinnen, die sich nur eine kurze Zeit dem Schreiben widmeten. Merbaum schreibt impressionistische Liebeslyrik als junge Frau vor ihrer Deportation, Ausländers bedeutende Werke sind nach der Flucht im Alter entstanden.

Den Schlusspunkt setzt ein zeitgenössischer Autor, Jurij Andruchowytsch mit „Das Macondo des Ostens“. Der renommierte Autor hat zahlreiche literarische Preise erhalten und spielt in der aktuellen Literaturszene in der Ukraine eine herausragende Rolle. Er erzählt auf Deutsch von der aktuellen literarischen und politischen Situation seiner Heimat und über die literarische Tradition der galizischen Dichter. Freitag, 16. März.

JazzClub und Klassik

Zu den Säulen des Gschwender Musikwinters gehört der Jazz. Das große Eröffnungskonzert wird wieder im alten Clubstil in der Gemeindehalle präsentiert. Mit einem doppelten Paukenschlag startet am 21. Oktober die Meier-Budjana Band mit Jimmy Haslip. Der Großmeister auf der Gitarre, Meier, hat sich von der indonesischen Gitarren-Ikone Dewa Budjana elektrisieren lassen. Aus der Begegnung entstand das gemeinsame Projekt Meier- Budjana Band, moderner Jazz mit fernöstlicher Akzentuierung, „Infinity and Zentuary“

Die junge Big Band der Newcomerin des Jahres (Jazz-Echo) Monika Roscher steht für den zweiten Paukenschlag des Eröffnungsabends im alten Flair. Monika Roscher singt, spielt Gitarre und dirigiert ihre 17köpfige Bigband. Verträumt, lebendig, wild „Of Monsters and Birds“.

Gespannt sein darf man auf das Duo Richie Beirach und Gregor Huebner am Samstag, 18. November. Der große Jazzpianist Beirach und der Münchner Professor für Jazz-Komposition bewegen sich frei zwischen der klassischen modernen Musik und der Jazz-Improvisation.

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Dave Holland (Foto: Ulli Gruber)

 

 

Das Dave Holland-Trio ist zurück im "Winter", am 2. Dezember. Bereits 1995 gastierte Holland an zwei Abenden hintereinander in beeindruckenden Solo-Konzerten. Der stilbildende Bassist wird an der Gitarre begleitet von Kevin Eubanks und Obed Calvaire am Schlagzeug.

Den Sound des modernen Afrika bringt Song Jobarteh mit ihrem Quintett nach Gschwend. Afrikanische Rhythmen, zauberhafte Melodien, höchste Musizierkunst und ausdrucksstarker Gesang. Die junge Künstlerin entstammt einer westafrikanischen Musikerfamilie und hat in London Musik studiert, bevor sie in ihrer Heimat und international Karriere machte.

Mit Akkordeon und Saxofon stellt sich das französische Duo Vincent Peirani und Emile Parisien dem Gschwender Publikum vor. Die beiden führenden Jazz-Solisten ihrer Generation haben sich zusammengetan und loten den Jazz neu aus. Am 24. März.

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Die Klassik hat Gschwend erst nach dem Jazz erobert. Doch seit gut 25 Jahren hat sie sich etabliert, vor allem mit den „Artists in Residence“ macht sie auf sich aufmerksam. Dieses Mal am Samstag, 11. November, ist das Novus String Quartett in der Evangelischen Kirche zu Gast. Die koreanische Pianistin Yeol Eum Son ist gefeierte Interpretin in Berlin. Sie vervollständigt das koreanische Streicherquartett am Piano mit Werken von Benjamin Britten, Dimitri Schostakowitsch und Robert Schumann.

Beethovens legendäre Kreutzersonate (unspielbar!) kann live erlebt werden mit Tanja Becker-Bender, Violine und Péter Nagy am Piano. Außerdem werden am 3. Februar in der Ev. Kirche Brahms, Schubert und Schumann zu hören sein.

In „la tempesta di mare“ stellt das Coelner Barockorchester am Samstag 3. März, den wohl bekanntesten Vertreter des italienischen Barock, Antonio Vivaldi, in den Mittelpunkt. Das junge Kölner Barockensemble zeichnet sich aus durch Spielfreude, Virtuosität und emotionale Tiefe.

Für Kinder und Erwachsene präsentiert das Debussy Trio mit dem Papiertheater Nürnberg  am Sonntag 11. März im Bilderhaus Erik Satie sowohl als Teil der Klassik-Reihe als auch des Kinderprogramms. 

Helga Widmaier 

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