Bossa Nova hoch über den Dächern Empfehlung

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Die Brasilianerin Viviane de Farias stimmt „Desafinado“ an. Die Brasilianerin Viviane de Farias stimmt „Desafinado“ an. Foto: Walter Laible
 
Eine Matinée mit Bossa Nova hoch über den Dächern von Gmünd war das Ereignis des Sonntags.
Die Villa Seiz öffnete ihre Räume für ein grandioses Konzert mit der Jazz:Mission. Bossa hat sich Galeristin Andrea  Seiz gewünscht, Bossa hat Matthias Flumm für sie organisiert. Und was für eine.
 
Die Brasilianerin Viviane de Farias stimmt „Desafinado“ an. Verstimmt, die Bedeutung des bekannten Jazzstückes, ist der Suche nach dem richtigen Ton gewidmet, den zu treffen, die Sängerin nicht das geringste Problem hatte. Ihre Stimme klingt rauchig, verhaucht mit leicht melancholischem Unterton wie man es von Astrud Gilberto im Ohr hat. 
 
Das einschmeichelnd warme Timbre bleibt auch erhalten bei ihrem klaren schnörkellosen Gesang, der sich von verhalten zu expressiv steigert und wieder zurücknimmt. Ihre schwarzen Locken bewegen sich im Rhythmus  der Lieder. Die Hände sprechen, nicht nur beim 50 Jahre alten funkigen Samba-Rap, mit dem der SingerSongWriter sein Mädchen zum Reden einladen will. Charmant und verführerisch interpretiert die Vokalistin die Bossas und Afrosambas. 
 
Sie führt ein in die Welt des brasilianischen Dichters und Sängers Vinicius de Moraes, der auch das „Girl from Ipanema“ geschrieben hat. Seine Texte strahlen eine leichte entspannte Einfachheit ohne Pathos aus, erklärt de Farias. Sie selbst ist in Ipanema aufgewachsen und kennt das Lebensgefühl von Rio mit dem einzigartigen Blick auf die Jesusstatue hoch oben auf dem Hügel. Mit „Corcovado“ zollt sie diesem emotional hoch aufgeladenen Anblick Tribut. 
 
„Geh meine Traurigkeit“ interpretiert sie Antonio Jobims Lied und verkörpert authentisch Lebensfreude und gute Stimmung, begleitet von Gitarrist Tobias Langguht und Percussionist Thomas Schäfer. Der englische Song „Quiet Night“ lädt zum Träumen ein. Sergio Mendes’  „So many Stars" handelt von den verschiedenen Optionen und Wegen, die in einem Menschenleben zur Entscheidung stehen. Ein tiefdunkler Sprechgesang charakterisiert die furchterregend eifersüchtige  Göttin in Osanyas Gesang. 
 
Die Sängerin ist sich bewußt, was ihre Zuhörer lieben und hören wollen. So singt sie mit Hingabe „The girl from Ipanema“ und „Besame mucho“, animiert zum Mitsingen des Refrains in dem bekannten „Mas que mada", und die über 80 Zuhörerinnen und Zuhörer singen begeistert mit.
 
Singend tritt sie zum zweiten Set in den Raum - witterungsbedingt war die Veranstaltung in die Innenräume verlegt worden - mit Jobims „One Note Samba“ und bedankt sich bei ihren Musikern und den Veranstaltern. Die Mischung aus einigen vertrauten Titeln und neuen, zusammen mit ihren liebenswerten Anekdoten zur Musik macht das Konzert zu einer runden Sache. „Geh weg, Traurigkeit“ verscheucht sie die Tristeza. Die Sonne bricht schließlich durch den Hochnebel und spielt zaghaft im roten Glasschmuck der Sängerin, die ohne Zugabe nicht gehen darf. Aus dem Film „Black Orpheus“ gibt es den Karnevalsmorgen.
 
wid

 

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