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Bilderhaus wird zum Jazz-Club

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Das Bilderhaus in Gschwend verwandelt sich mit seinem 3. Jazz-Konzert dieses Musikwinters in einen veritablen Jazz-Club.

Bis auf den letzten Stuhl besetzt, breitet sich eine angenehme Club-Atmosphäre aus. Dann tritt sie auf. Olivia Trummer, die zierliche Pianistin in eng anliegenden Jeans und hochhackigen Stiefeletten. Der rechte Schuh wippt im Takt. Der Körper geht mit den musikalischen Bewegungen synchron. Jeder Verkehrspolizist würde die Stirn runzeln, sähe er die junge Frau mit den Stilettos am Steuer eines Autos. Souverän klopft ihr eleganter schwarzer Stiefel auf den Boden und tritt auf das Pedal des Flügels. „Liebe Damen und Herrn, liebe Schwaben“ begrüßt die gebürtige Stuttgarterin ihr Publikum und freut sich, dass sie wieder mal in Deutschlands Süden auftritt. Die Brünette mit den halblangen Haaren lebt zwischen New York und Berlin. Eine Grenzgängerin zwischen den Kontinenten und vielleicht auch musikalisch.

Mit einem Arrangement zu Cole Porters „Night and Day“ beginnt der Abend. Ein sachtes perkussives Intro von Piano, Bass und Schlagzeug wird allmählich lauter, Harmonien  bringen Klangfülle, bis der Schlagzeuger Rainer Winch den Sound im Pianissimo beinahe verklingen lässt. Das Trio, zu dem noch der Kontrabassist Paul Kleber zählt, nimmt noch einmal Fahrt auf. Der Beifall zeigt, dass Olivia Trummers Trio in Gschwend angekommen ist. Die klassisch ausgebildete Pianistin hat viele Genres drauf. Als besonders feine Zugabe schenkt sie ihren Zuhörern ein zauberhaftes kleines Stück „Almundo“, das zu ihrem ganz aktuellen Projekt gehört. Sie interpretiert Barockmusik von Bach und Scarlatti aus Jazz-Perspektive. Einfühlsam, bewegt, spannend lässt sie das Original durchschimmern. Ihr Jazzgesang schmiegt sich stimmlich und rhythmisch kongenial ein in die Instrumentenstimmen.

Besonders im 2. Set gelingt ihr das Verschmelzen von Stimme mit Piano, Bass und Schlagzeug geradezu traumhaft sicher. Das Thema des Abends „Fly now“ ist entstanden und zum Projekt einer CD geronnen durch die Flüge zwischen zwei Welten, zwischen Berlin und New York. „Da war viel in Bewegung, äußerlich und innerlich“, erzählt sie. Sie fand Stoff für Songs zwischen Ankommen, Abschied, Suchen und Finden. Schmerz und Sehnsucht nach dem Menschen, der auf der gerade anderen Seite ist, drückt sie poetisch und musikalisch aus. „Got to miss someone“ ist diesem Gefühl geschuldet. „Sharing my heart“ haftet mit dem repetitiven „can’t believe it“ im Gedächtnis.  Das „Stehauf-Männchen“ begleitet sie stehend auf der feuerroten Melodica. „ Precious Silence“ bringt eine lyrische Note. „Nature Boy“ drückt den seelischen Schwebezustand aus. „Stay awake“ beschwört das Verweile doch des schönen Moments.

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