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Nur auf die Schulter?

Nur auf die Schulter?
Das Operettentheater Salzburg gastierte mit der beliebten Operette „Der Bettelstudent“ im Congress Centrum Stadtgarten in Schwäbisch Gmünd.
Das vergnügliche Werk von Karl Millöcker erfreute das Publikum mit Wortwitz,  Liedern mit Ohrwurmcharakter, einfallsreicher Inszenierung und schönen Kostümen.  
   Die Operettenkomödie ist eingebettet in die historischen Ereignisse mit zwei rivalisierenden Gegenkönigen im Krakau von 1704. Der Sachse Kurfürst August der Starke beansprucht als August II den polnischen Königsthron. Gegen diesen hatte der schwedische König Karl XII Stanislaus Leszinsky als polnischen Herrscher eingesetzt. Vor dem Hintergrund der sächsischen Besatzung, die die polnischen Patrioten und Anhänger König Stanislausens inhaftiert hat, entwickelt sich das Ränkespiel um verletzte Eitelkeit, Stolz und Rache.  
   Außer sich vor Wut stürmt der gekränkte Oberst Ollendorf, alias Josef Krenmair, Gouverneur im besetzten Krakau auf die Bühne. In Machomanier war er auf einem Ball gegenüber der ältesten Tochter Laura alias Doris Langara der verarmten Gräfin Nowalska  alias Franziska Stanner übergriffig geworden, und diese hatte dem Gouverneur mit dem Fächer ins Gesicht geschlagen. Mit „Ach ich hab’ sie ja nur auf die Schulter geküsst“ rechtfertigt Ollendorf seinen sexuellen Übergriff. 
   Die klammheimlich hämische Schadenfreude seiner Offiziersriege und der sächsischen Gefängniswärter kann er durch eine geschickt ausgedachte Intrige ummünzen und für sich nutzbar machen. Die stolze polnische Adelsfamilie will er demütigen und der Lächerlichkeit preisgeben. Dienstbeflissen watschelt der angetrunkene Kerkermeister Enterich x-beinig von dannen und führt dem Gouverneur Gefangene zum Casting für die Rolle des angeblich zurückgekehrten steinreichen Fürsten Wibicky vor. Der aufgeblasene korrupte Enterich, alias Robert Kolar, sächselt wundervoll zur Gaudi des Publikums. 
   Der Bettelstudent alias Michael Kurz spielt einen weit gereisten Mann von Welt, den Fürsten Wibicky. „Ich knüpfte manche zarte Bande“ singt er und endet an seinen Auftrag gemahnt mit einem Loblied auf die unvergleichliche Schönheit der Polinnen. Er nimmt im Sturm die Mutter der schönen Laura für sich ein und gewinnt das Herz der stolzen standesbewussten Tochter.  
   Aus dem Orchestergraben klingen wunderbare Melodien aus der goldenen Zeit der Wiener Operette. Der Komponist Millöcker war ja musikalisch beheimatet in der Ära Johann Strauß Sohn und Franz von Suppé. Christian Pollack hatte die musikalische Leitung.  
   Die Hochzeit findet statt mit gebührendem Pomp und zur Genugtuung des ränkesüchtigen  Gouverneurs, der sich freut, die schöne Laura und ihre Familie, die ihn verschmäht hat, zum Gespött der Krakauer Gesellschaft machen zu können. Drei Tänzer des Salzburger Balletts entsteigen einer riesigen Hochzeitstorte und führen in beeindruckenden Folklorekostümen eine hinreißende Mazurka vor. Gerlinde Höglhammer hatte sich bei der Kostümausstattung des Ensembles einiges einfallen lassen. 
   Der Gelackmeierte am Schluss ist der Gouverneur, der mit seinem Geld ungewollt dem polnischen Widerstand geholfen hat. Der Bettelstudent Symon Rymanovicz, der sich in die Dienste von König Stanislaus begeben hat, wird zum Lohn von diesem geadelt. Somit ist der Ehre der standesbewussten Gräfin Nowalska Genugtuung verschafft und auch ihre zweite Tochter Bronislawa, alias Elisabeth Starzinger hat im Sekretär Jan Janicky alias Thomas Reisinger einen ebenbürtigen Gemahl gefunden.   asaw
 

 

 
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