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Rillings Gesamtkunstwerk überzeugt

Foto. Walter Laible Foto. Walter Laible

Georg Friedrich Händels Oratorium Messiah wurde als Einstimmung auf das Weihnachtsfest im Forum Schönblick dargeboten.

In einem Meisterkurs hatte Helmuth Rilling Musiker aus 25 Ländern auf das große Konzertereignis vorbereitet.
Nun musste er zum ersten Mal nach 63 Jahren musikalischen Schaffens aus gesundheitlichen Gründen ein Dirigat absagen, wie der Leiter von Forum Schönblick Martin Scheuermann mit Bedauern den Zuhörern mitteilte, die den großen Maestro erleben wollten. Rillings Credo jedoch, dass Musik „nie bequem, nicht museal, nicht beschwichtigend“ sein darf, sie müsse vielmehr „aufrütteln, die Menschen persönlich erreichen, sie zum Nachdenken bringen“, wurde voll eingelöst.


Wie schwer es dem Großmeister der Bach und Händel Interpretation gefallen sein muss, seine Mitwirkung am Konzert abzusagen, kann man erahnen. Er hat jedoch seinen Assistenten für dieses Projekt, den Schweizer Lorenzo Ghirlanda gebeten, an seiner Stelle das Oratorium zu dirigieren. Ganz im Geiste Rillings machten die Musiker ihrem künstlerischen Leiter alle Ehre und erweckten Händels Barockopus zum Leben. Der Odem des Meisters hatte Chor und Orchester inspiriert und die Darbietung erreichte unmittelbar die Zuhörer im Saal, der bis auf den letzten Platz gefüllt war.


Einfühlsam und unprätentiös gab Ghirlanda den einzelnen Chorstimmen und den Streichern des Riesenensembles die Zeichen zum Einsatz und führte Instrumente und Stimmen zu einem präzisen wunderbar aufeinander abgestimmten Gesamtklang. Rolf Beck oblag die Einstudierung der Internationalen Chorakademie Lübeck. Die Gesangsdarbietung mit dem Wechsel der Stimmen und Chorteile berührte die Seele unmittelbar. Mit Rillings Bachensemble hatte Ghirlanda die Partitur einstudiert. Den Streichern kam der Hauptteil des Konzertes zu. Erst beim grandiosen Halleluja kamen Pauken und Trompeten zum Einsatz. Das Publikum reagierte mit einem spontanen anerkennenden Beifall. Das vielschichtige Werk gehört zu den populärsten Beispielen geistlicher Musik des Abendlandes. Es umfasst die christlichen Heilsgeschichte, die alttestamentlichen Prophezeiungen, das Leben Jesu, seine Geburt, sein Tod am Kreuz und sein glorreiches Wiedererscheinen am Ende der Tage. Die Texte, allesamt der King-James-Bibel und dem Book of Common Prayer entnommen, muten archaisch an. Die Bibelübersetzung unter König Jakob entstand in der Zeit des Übergangs vom Mittel- zum Neuenglischen.


Die Solisten überzeugten mit klangvollen Stimmen und guter Artikulation. Der warme Mezzosopran von Olivia Vermeulen erklang kraftvoll, der Sopran von Julia Sophie Wagner erklomm delikat und weich die Höhen, dem Tenor Martin Lattke kamen viele Erzählparts zu und kurzfristig eingesprungen für den erkrankten Bass Mathias Hausmann war der Opernsänger Ludwig Mittelhammer, Bariton, aus München. Eindrucksvoll wie die Solisten nacheinander und schließlich miteinander das „Amen“ zelebrierten. In einem großen Finale schmolz der Klangkörper aus Chor, Solisten und Orchester mit Pauke und Trompeten zu einem Gesamtkunstwerk zusammen.
Das Auditorium spendete minutenlang stehenden Beifall für die großartige Interpretation und es gelang Martin Scheuermanns eindringlicher Bitte um eine Zugabe, dass das Allelujah noch einmal wiederholt wurde.

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