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Klang-Magnolien Empfehlung

Sie hat Tradition die Gmünder JazzMission. Immer im Dezember richtet sie ein Doppelkonzert aus.
Der Predigersaal ist voll besetzt. Auch das hat Tradition. Die Jazzfreunde werden wieder einmal belohnt mit  einem Abend voll wunderbarer Musik. 
 
Den Anfang des „Jazzfestivals“ macht das Kölner Jens Düppe Quartett. Der Schlagzeuger Jens Düppe stammt aus Schwäbisch Gmünd. In seiner Heimatstadt stellt er seinen CD-Erstling „Anima“ vor. Zehn Jahre musikalischen Schaffens sind in seinen Kompositionen komprimiert. Der 1974 geborene Schlagzeuger kann auf eine beträchtliche Karriere zurückblicken. Er kennt die europäische Jazzwelt und durch ein Stipendium auch einiges von der New Yorker Szene. Im Trompeter Frederik Köster, im Pianisten Lars Duppler und im Bassisten Christian Ramond hat er hervorragende Mitstreiter für seine Band gefunden. 
 
Die Trompete beginnt mit kurzer Tonfolge. Die Rhythmusinstrumente setzen ein, drängen vorwärts bis sie die Trompete wieder hereinholen, die mit schnellen Läufen mithält. Die aufgeheizte Stimmung wird zurückgenommen. Der Bass grundiert und überlässt der Solotrompete das Terrain. Ebenso verhalten unterstützt der Drummer das Soloinstrument. „Peanut Butter and Jelly“ heißt das Intro. Weiter geht es mit Stücken, bei denen sardische Winde Pate gestanden haben. Aufgenommen haben sie die CD im Norden Sardiniens. Der heiße Scirocco aus Afrika streichelt zart über die Haut aus dem Piano. Dazu säuselt der Bass. Sacht fegt der Wind über die Trommeln und die Trompete haucht verspielt. In „Das Puzzle“ verschränken sich vier Melodien zu einem verschlungenen Geflecht. Mit „Magnolia“ verabschiedet sich die Band nach anderthalb Stunden von ihrem hingerissenen Publikum. 
 
Nach der Pause tritt Daniel Guggenheim mit seinem New York Quartett an. Guggenheim zählt ein. Sein Sopransaxofon setzt die Spur. Aus dem Bösendorfer bricht ein regelrechtes Pianogewitter unter den flinken Händen von Peter Madsen los. Devin Gray am Schlagzeug hält mit. Dezent im Hintergrund hält sich der Bass von Sean Smith. „Passion“ heißt das mitreißende Eingangsstück. „Lament“, das nächste Stück, wird übergeleitet mit einem Drummersolo von Devin Gray in „Frantic Journey“. Bassist Sean Smith geht hinter seinem Kontrabass in die Hocke und greift direkt hinter dem Steg in die Saiten. Die anfänglich zarten Töne steigern sich zu einem veritablen Klangfeuerwerk. Madsen bearbeitet im Wechsel die Tasten und lockt mit den Fingern direkt aus den Saiten im Innern des Flügels eine fast cembaloartig kontrastierende Klangfarbe. Aus dem Tenorsaxofon kommen weiche Melodielinien. Ganz der Musik hingegeben mit geschlossenen Augen lässt der Schweizer sein Horn rauf und runter über die Oktaven springen. 
 
Die Scheinwerfer drehen auf Rotlicht zu „Mystery in Casablanca“, das Sean Smith am Bass fietschert. Fühlt man sich bei „The Moment I Met you“ nicht an Garbarek erinnert? Nostalgisch lang gezogene Töne laden zum Träumen ein. Zum Abschied wandert die Band zwischen Himmel und Erde mit allen Facetten, die sich „Between Earth and Sky“ finden. In der Zugabe spürt das Tenorsaxofon dem verlorenen Weg nach „Love’s lost way“.  Ein glückliches Publikum macht sich gegen Mitternacht auf den Heimweg.          wid
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