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Spaß mit Stern Empfehlung

Matthias Hautsch wirft seine Löwenmähne zurück. Auf seiner Gitarre eröffnet er solo das Mega-Ereignis des Jazz beim 30. Gschwender Musikwinter.
Legenden des Rock Jazz gastieren in der kaum wiederzuerkennenden großartig umgebauten Gemeindehalle. Architektur und Akustik bilden ein gelungenes Ambiente für die amerikanische Band mit Mike Stern und Dave Weckl. 
 
„Horch dir das mal an. So möchtest du gern mal klingen“, plaudert Matthias Hautsch in leicht badischem Zungenschlag davon, wie er erstmals mit der Gitarrenmusik von Mike Stern Bekanntschaft geschlossen hat. Sein Stil und der Titel „Blood Brothers“ erweisen seinem Lehrer Mike Stern ihre Reverenz. Hautsch brilliert auf seiner Akustik-Gitarre mit atemberaubenden Tempi, rockigen Sounds und nimmt Lautstärke und Tempo seelenvoll zurück in Balladen, in denen die Zeit still zu stehen scheint. „Savoir vivre“ ist sein ganz persönliches Bekenntnis zum Leben. Das Leben genießen im Jetzt als Geschenk, im Gestern der Vergangenheit und im Morgen, dem Rätsel. Man glaubt es kaum, aber Hautsch war nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt und musste sich seine Fingerfertigkeit mühsam durch „Üben, Üben, Üben“ wieder antrainieren. Mit dem gecoverten Lieblingssong von Billy Joël endet das temperamentvoll-engagierte Vorspiel. 
 
Dann sind sie da, die lebenden Legenden, die sich rühmen können, mit den ganz großen Namen des Jazz gemeinsam aufgetreten zu sein. Mit schnellem Picking in Bebop-Tonalität greift die schwarz-behandschuhte Hand von Stern in die Saiten seiner E-Gitarre. Der schwarze Handschuh ist keine modisches Attribut, sondern einem Unfall geschuldet. Zu rockigen Klängen schleudert er seine graue Zottelmähne zurück. Der Zuhörer meint, eine Zeitreise in die Jazzrock-Geschichte anzutreten. 
 
Der Drummer Dave Weckl taucht voll hinter seinem Schlagwerk-Gebirge ab. Nur das präzise Feuerwerk seiner Schlagzeugbatterie zeugt von seiner Präsenz. Dem treibenden funkigen Groove steht der Bassist Tom Kennedy in nichts nach. Seine Läufe auf dem E-Bass bewegen sich im Formel-1-Tempo. Großartig der Wettstreit der beiden Saitenmatadore, als sie sich im Wechsel von Schlagzeuggewitter und grummelndem Kommentar des Basses "duellieren".  Der musikalische Schlagabtausch macht den beiden Gitarristen, die schon mit 15 Jahren zusammen gespielt haben, sichtlich Spaß. 
 
„It’s a pleasure to be here“, begrüßt Stern das Publikum - und dieses spürt, er meint es wirklich so. Er und seine Mitstreiter spielen mit vollem Einsatz und mit einer Verve, die sich bis in die letzten Reihen des Saales mitteilt. Die kreative Spielfreude lässt die technische Perfektion und die Virtuosität der Musiker  in den Hintergrund treten. Eine unglaubliche Bandbreite von Stilen zeichnet die Band aus, die sich auch auf leise seelenvolle Töne versteht. Das Zusammenspiel der vier Musiker ist unübertroffen. Der Tenorsaxofonist Bob Malach mischt sich organisch ein. Großartige virtuose Läufe verbinden sich zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk. Mit einem Titel von Jimi Hendrix verabschiedet sich die Band von ihrem hingerissenen Publikum.                                                                                    wid
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