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Blaue Noten bei Jazz-Matinee Empfehlung

Foto: Walter Laible Foto: Walter Laible

Der nutzlose Erkenntnisgewinn der Ameise und der grundlos lachende Wolf: das Martin Keller Quintett.


Eine wundervolle Aussicht über Schwäbisch Gmünd bietet die Villa Seiz. Bandleader Martin Keller aus Stuttgart freute sich über das malerische Ambiente des Ortes. Der Auftritt des Jazz-Quintetts bildete das Tüpfelchen auf dem i der Sonntags-Matinee, das gut 60 Zuhörer im Freien genießen konnten. Dem Hörgenuss taten auch ein paar Nieselregentropfen zwischendurch keinen Abbruch.


Für eine Jazz-Combo eher ungewöhnlich waren die Klangfarben, die das Akkordeon von Tobias Escher und die Violine von Florian Vogel einbrachten. Tastend fanden die Bassklarinette (Keller) und die Violine von rechts beziehungsweise von links kommend ihren Weg auf die Bühne. Das Akkordeon nimmt den ruhigen Duktus auf. In die leisen, leicht melancholischen Töne mischt sich eine kleine Melodie der Geige ein. Das Akkordeon intoniert weiter, grundiert von Kurt Holzkämper am Bass und Hans Fickelscher am Schlagzeug.


Nach der blauen Stimmung des Eingangsstückes „Very blue“ macht sich Komponist Keller auf die Suche nach dem Humor in der Musik und findet sie auf der Nachhausefahrt mit seinem „Drunken Drummerman“. Im Staccato der Instrumente vermeint man den Automotor und die raue Fahrt eines wenig von Stoßdämpfern abgefederten Vehikels zu hören.
Viel Spaß erzeugten die sonderbaren Gedichte von Paul Scheerbart „Die gebratene Ameise“ und „Der lachende Wolf“ in der Holzkämperschen Vertonung.  Titel für eine Komposition zu finden, ist gar nicht so einfach, stellte Keller fest. Fündig für einen geeigneten  Titel wurde Keller bei einer Zeitungsanzeige „In der Damenhose liegt unsere Kompetenz“. Seriosität und Glaubwürdigkeit einer Bekleidungsfirma unterstreicht der Kontrabass mit tiefen Tonfolgen. Akkordeon, Violine und Sopransaxofon greifen belustigt das Thema auf.


Tobias Escher verdichtet die schwarze Luft in seinem Stück „Nacht“, die alle Facetten von Schlaflosigkeit bis Alptraum und Wachwerden umfasst. Die Geige kratzt, die Bassklarinette haucht, das Akkordeon schnauft, die Ukulele hat den Bass abgelöst. Zusammen steigern sich die Instrumente in ein disharmonisches Zusammenspiel hinein, bis es von einem Drummersolo aufgelöst und in ein orchestriertes Cantabile mündet.
Einen ganz konventionellen Namen trägt Kellers Komposition „Adagio“, die jedoch alles andere als traditionell daherkommt. Kurt Holzkämper führt eine Bürste in den Bass ein. Dieser brummt nur gutmütig zu dem Scherz.


Eine kleine Reverenz wird dem wohl nur noch den älteren unter den Zuhörern vertrauten Robert Lemke mit seinem heiteren Beruferaten erwiesen. Violine mit Doppelgriffen und Saxofon halten ratende Zwiesprache. Die Zugabe bringt Friedrich Hölderlin und Nürtingen, die Stadt, in der der Dichter wie der Musiker Keller aufgewachsen sind, zusammen. Schräg und ein bisschen verrückt wie Hölderlin oder Thelonious Monk hat Keller das begeistert aufgenommene Abschiedsstück „Friedrich Monk Nürtingen“ getauft.

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