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Blick zurück - keineswegs im Zorn

Foto: Walter Laible Foto: Walter Laible

Ein bisschen abgeklärt schon, aber ohne kosmetische Patina.


 Was bleibt ? Es sind die Erinnerungen. „Das Schöne an der Erinnerung, alles ist so wie ich es mir wünsche“. So zieht eine Akteurin der Seniorentheatergruppe ihre Lebensbilanz. Sechs Frauen unter der Leitung von Marie-Luise Gnannt inszenieren kurzweilig ihre Wunschträume, ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen im Kloster der Franziskanerinnen in Gmünd.


Glück und Scheitern in den Lebensläufen sind teils biographisch authentisch, teils fiktiv.  Die Grenzen bleiben bewusst im Vagen. Die Erzählungen werden musikalisch suggestiv mit Melodien und Klangmustern unterlegt. Das Ensemble Querbeet unter Leitung von Udo Penz verstärkt die Textaussagen, setzt Akzente und untermalt sie mit Mundharmonika, Tenorsaxofon, Klarinette und Keyboard.


Die Frauen treten mit einem Requisitenkoffer voller Erinnerungen auf. Sie falten Betttücher zusammen und beginnen mit „Zehn kleine Negerlein…“ als Tribut an die vor einem Jahr verstorbene Akteurin in ihren Reihen. Sie soll mit ihrer Geschichte weiterleben. Solange sich jemand an sie erinnert, bleibt sie dem Vergessen entrissen. Davon sind die Frauen überzeugt.


Die frühesten Kindheitserinnerungen beginnen mit vier, fünf oder sieben Jahren. Das Silberkätzchen, die Puppe, die echte Siebenbürger Bratwurst, das Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel. Im Rückblick verklärte Erinnerungen werden von den Mitspielerinnen zurechtgerückt. „Du wolltest nie verlieren!“ „Ich durfte nie mitspielen“. „Du hast immer gepetzt“.  


An welchen Geruch erinnern sie sich? Lebertran, damit der Körper und die Knochen stark werden.  Die Frauen stellen sich bedrohlich hinter der einen auf, die gerade die Erinnerung an eine Szene im Kinderheim hervorholt. Sie sitzt vor einem Teller mit Hering im Gelee. „Iss den Teller leer!“ ruft der Chor der Frauen. Wovor haben sie sich gefürchtet? Vor der Dunkelheit. „Warst Du mutig oder angepasst?“ „Warst Du glücklich?“ Maria hat mit 17 geheiratet. „Der war scharf auf mich“, flüstert ihr die Erinnerung ein. „Der hatte was mit mir“, kontert Lissy. „Aber mich hat er geheiratet“, trumpft Maria auf.
„Ich bin nach der Heirat siebenmal umgezogen“, erzählt Trixi. „Und wo bist Du zu Hause?“ „Da, wo Menschen mich gut aufgenommen haben“, da ist sie mit der Siebenbürgerin Babsi einer Meinung. Ihre Heimat ist Schwäbisch Gmünd, da wo sie Freunde haben oder neue Freunde gefunden haben.
„Warum leben wir?“ „Um Erinnerungen zu sammeln“ ist die Antwort. Alt werden und sterben. Zuerst stirbt die Autonomie, dann das Gedächtnis, am Schluss bleibt das Herz stehen, das weiß man, das wissen die Frauen und dennoch stimmen sie ein in die lebenszugewandte Aussage „Ich mag mein langweiliges Leben“.

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