Die glorreichen Sieben

Foto: Peter Hageneder Foto: Peter Hageneder

„Mnozil Brass“ drehen in der Stadthalle Aalen Musik der Völker durch den Fleischwolf ihrer Präzisionsinstrumente.

Diese Wurstküche wurzelt im 1. Wiener Bezirk. Offenkundig eine erste Adresse für herzhafte Schmankerln in heimtückisch gewürzten Saucen. „Mnozil Brass“ nennen sich die Herrschaften, deren Fleischwolf vor nichts halt macht. Aufgetischt haben die glorreichen Sieben in der ausverkauften Aalener Stadthalle eine so sonder- wie wunderbar abgeschmeckte Brotzeit. Was für ein Wiederhören!


Ihre Klamotten sind entweder zu lang, oder zu kurz, zu eng oder zu bunt. Das Personal summiert sich entsprechend  vom kleinen Dicken bis zum langen Dünnen mit den anderen Archetypen dazwischen. Frei nach Nestroy machen sie sich einen Jux, der es in sich hat. Und das, seit sie sich Anfang der Neunzigerjahre im Gasthaus Josef Mnozil in Wien zum Musik machen getroffen haben.


Sieben ist eine magische Zahl. An Magie grenzt was die Herren  Thomas Gansch, Robert Rother, Roman Rindberger, Leonhard Paul, Gerhard Füssl, Zoltan Kiss und Albert Wieder, der ein Jahr lang den Kollegen Brandstötter an der Bass-Tuba vertritt, ihren Gerätschaften entlocken. Eines geht nahtlos ins andere über. Operettenseligkeit bremst die A-cappella-Kapelle mit kantigen Riffs aus, um alsbald treuherzig und wohlig harmonisch wärmend suggestiv zu säuseln: „Don’t worry be happy“. Dazu holt sich der Schlawiner Zoltan Kiss (sein Name ist Programm)  ein Mädel aus dem Publikum auf  und hinter die Bühne, um mit ihr den Song in die Tat umzusetzen. Dreien seiner Kollegen verschlägt’s beim Blick hinter den Seitenvorhang fast die Sprache. Aber nur fast. Denn nur Augenblicke später sieht sich das ungeheuer geneigte Publikum in der Rolle des singsummenden Mitspielers – und darf die Dame aus seiner Mitte natürlich unbeschadet wieder in seinen Reihen aufnehmen.

Stimmlich sind die Herren ebenso präzise wie auf ihren Blechartikeln. „Eine kleine Frühlingsweise“ aus dem Repertoire der legendären „Comedian Harmonists“ träufeln sie einem zum Dahinschmelzen süß – und zum Hurra schreiben hundsgemein ins Ohr.


So üppig der Ausstoß an atemberaubendem Gebläse (nur den Produzenten scheint der Odem nie auszugehen), so szenisch treffsicher ist der minimalistische Humor der k.u.k.-Truppe (einen Ungarn haben sie nämlich dabei, weil der mal saugut und saubillig war). Perfekt spielen sie auf der Klaviatur der individuellen Gegensätze, so perfekt wie ihre Instrumente. Diese Symbiose gipfelt in einem programmatischen Schlussbild: Leonhard Paul bedient auf einem Stuhl sitzend mit seinen bloßen Füßen die Posaunen seiner beiden Kollegen, umringt von den vier anderen Blasebälgen.


Was sonst noch geschah? Ein irrer Kurzdurchlauf von Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“, allerlei Schmankerl in kleiner und großer Besetzung, in deren Arrangements die blaue Donau in den Hudson River und gelegentlich in den Mississippi fließt, es singt und swingt,, schneidet und schmeichelt, dass einem die Ohren wackeln. „Don’t worry, be happy“! Eben.                    jow

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Fotos: Peter Hageneder/HK

 

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