Was für ein Abschied Empfehlung
- geschrieben von -uss
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"Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle" verabschiedet sich von ihren hingerissenen Fans in der ausverkauften Aalener Stadthalle in den (Un)Ruhestand.
Fotos: Holger Bewersdorf
"Heit nemme, ond morga net glei" haben die "Stumpfes" bei ihrem "Finale" in der ausverkauften Aalener Stadthalle gesungen. Schade, dass es nach rund 4000 Konzerten in 35 Jahren kein "Glei heit" mit "Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle" mehr geben wird.
"Morga nemme" und "ibermorga scho glei gar net". Aus und vorbei. "Flex" Flechsler wird sei Bemberle nemme weh do, nachdem es der Celle ganz gemein mit dem Ellenbogen gescheckt hat. Ihr Kultsong. Die glorreichen Vier von der Ostalb verlassen die Bretter, die die Welt bedeuten für immer. Haben sie gesagt. Vielleicht machen sie eigene Projekte. Sie sind zwar in Ehren ergraut, aber immer noch zu jung für die Rente. Und vital bis zum geht nicht mehr. Davon konnte man sich bei ihrem letzten Auftritt weit über zwei Stunden und drei Zugaben lang überzeugen. Die Frauen im Publikum überschütteten die vier schwäbischen Herzensbrecher am Ende mit einem BH-Gewitter. Mehr Ovation geht nicht!
Das Konzert? Nicht nur der Jürgen, dem sie ein Lied widmen, findet's okay. Einmal mehr haben wir zu unserem größten Vergnügen von Manne Arold gehört, was "mr älles sott". Im kaum zu ergründenden Liedermeer der "Stumpfes" findet jede und jeder seinen Lieblingstitel. Wie das Kinderliedermedley in einer total unterkühlten Bossa Nova-Version. Ein Kontrast der Extraklasse.

Benny Banano beherrscht seinen Kontrabass in alle Lagen.
Die vier Multiinstrumentalisten behaupten sich auch ohne Gesang in den Gehörgängen. Zum Beispiel mit einem hingebungsvollen Instrumentalstück. Alle zusammen sind sie eine absolut sichere Bank. Solo jeder eine Show für sich. Vom Gauloiserauch der Zigarette von Flex atmosphärisch umwabert, intoniert Benny Banano herzerwärmend sein französisches Liebeslied. Mit "Lensa ond Schbätzla" hat es das Quartett in der SWR-Hitparade auch dieses Jahr wieder ganz weit nach vorne geschafft, wofür sich Celle Hafner bei den Fans herzlich bedankt. Die Liebe zu den Musikanten geht eben auch durch den Magen. Großes Drama als Kontrapunkt: "Bella Ciao!" Wenn sie im deutschen und internationalen Liedgut wildern, um es für ihre spöttisch-witzigen Zwecke zurechtzubiegen, sind umwerfende Ergebnisse garantiert. Eigentlich heißt der lateinamerikanische Hit mit kubanischen Wurzeln ja "Guantanamera". Bei den "Stumpfes" wird "I kas nemme hera" daraus.
Vieles könnte man noch erwähnen. Ihre spontane Reaktionen auf Zurufe aus dem Publikum; die immer noch taufrisch wirkenden Blödeleien untereinander, die dem Ganzen das Flair eines Wohnzimmertreffens geben. Die Fans fühlen sich als Teil der Belegschaft in der guten Stube. Tja, und jetzt wird die gute Stube abgeschlossen und der Schlüssel für immer versteckt. Was bleibt ist die dankbare Erinnerung an vier großartige Musiker und Komödianten.
Wolfgang Nußbaumer
(01.01.2026)