Hoffnung, Wahrheit, Freiheit - Licht Empfehlung
- geschrieben von -uss
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Nach der Aufführung freuen sich neben dem Ellwanger Jugendchor und dem Dirigenten Reinhard Krämer alle Mitwirkenden über den verdienten Beifall.
Fotos: -uss
„Deine Worte atmen Hoffnung und Wahrheit und Freiheit“, lautet der zentrale Satz des Friedensoratoriums „Lux in Tenebris“ von Helge Burggrabe.
Zehn Jahre nach dessen Uraufführung hat ein groß besetztes Ensemble unter der Leitung von Reinhard Krämer in der Ellwanger Stadtkirche mit seiner Interpretation einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Der Komponist folgt in der Abfolge seiner einzelnen Stücke der Anordnung der biblischen Szenen auf den zwei Flügeln der „Bernwardtür“, dem großen bronzenen Hauptportal des Hildesheimer Domes. Zu dessen 1200-Jahrfeier war das Oratorium in Auftrag gegeben worden. Jetzt ist es zu einem Schwerpunkt der Ökumenischen Friedensdekade 2025 in Ellwangen und zu einem Gedenken daran gwworden, dass der 2. Weltkrieg vor 80 Jahren zu Ende gegangen ist.
Bereits am Nachmittag hatte das Ellwanger Friedensforum mit der Landtagspräsidentin Muhterem Aras als Rednerin am jüdischen Friedhof an die Verbrechen der Nazis erinnert, die am Kriegsende in der Stadt begangen worden sind. In der Stadtkirche hat die Rezitatorin Andrea Batz in einem zeitgeschichtlichen Rückblick darauf hingewiesen, dass wegen einer möglichen Bombardierung im Frühjahr 1945 auch in Ellwangen die Angst umging. Anlässe also genug, den Frieden und die Freiheit zu beschwören.
Das über weite Strecken textlich und musikalisch emotional aufgeladene Oratorium beschreitet diesen Weg unter biblischen Vorzeichen vom Paradies und der Erschaffung des Menschen über den Sündenfall in die tiefste Finsternis des Brudermords und wieder zurück ins Licht der Erlösung mit perkussivem Grundrauschen bis zum erschreckenden Donnergrollen, erzeugt vom Percussionensemble der Berufsfachschule für Musik Dinkelsbühl. Mit dem Wetterleuchten eines Blechbläsertrios, dem Froh- und Klagegesang des Ellwanger Streichquartetts und dem an der Orgel gewaltige Klangblöcke bewegenden Benedikt Nuding.
Hervorragend gesungen werden die überwiegend von der deutschen Autorin Angela Krampen, aber auch von bekannten Dichterinnen und Dichtern wie Rainer Maria Rilke, Rose Ausländer, Hilde Domin, Hildegard von Bingen, Meister Eckhart und Hilde Domin verfassten eindringlichen Texte von der Sopranistin Julia Küsswetter, Anne Greiling, Alt, dem Tenor Stefan Schneider, dem Bass Markus Simon, dem Ellwanger Jugendchor und der Ellwanger Kantorei.

Um die Zuhörerinnen und Zuhörer in dem voll besetzten Gotteshaus in das dramatische Geschehen einzubeziehen, platziert Reinhard Krämer die jungen Sängerinnen und Sänger entlang der Bankreihen. Lässt sie flüstern nach dem Minidrama um Kain und Abel. Bis die „Zerstörung“ im Bomben- und Granatenhorror der Schlagwerker fast physisch spürbar wird.
Diese Gegensätze zwischen laut und leise, zwischen Dissonanzen und Harmonien, zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Tod und Auferstehung, zwischen Finsternis und dem Licht verleihen diesem Werk seine fesselnde Dramatik. Nach dem ganz leisen Schluss mit der Stimme Gottes setzt umso stärker der lang anhaltende Beifall des Publikums ein.
Wolfgang Nußbaumer
(18.11.22025)