Kurzer Gig mit Gips Empfehlung
- geschrieben von -uss
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Gianna Nannini - trotz Gips bei Stimme.
Fotos: Holger Bewersdorf
Zuerst hat sich alles um eine halbe Stunde nach hinten verschoben; und dann gab’s nur eine knappe Stunde lang die Musik, die ein paar Tausend Menschen zum mittlerweile dritten Mal ins Schloss Kapfenburg gelockt hat. Zu Gianna Nannini.
Die italienische Rock-Ikone wollte dort beim Festival ihre neue Scheibe „Sei nell’anima“ vorstellen und alte Songs zelebrieren. Es blieb bei wenigen Liedern.
Der Grund. Die 71-Jährige war bei ihrem Konzert vor wenigen Tagen in Wiesbaden gestürzt, als sie das Schlagzeug verließ, an dem sie kurz Platz genommen hatte - und sich den rechten Arm gebrochen. In Hessen hat sie geschient und vereist noch fünf Songs durchgehalten. Auf Schloss Kapfenburg musste sie nach einer halben Stunde die Segel streichen. Ihr Kreislauf spielte nicht mehr mit. Bis dahin hat sie mit ihrer fünfköpfigen Band plus zwei Background-Sängerinnen ihren Fans Klassiker wie „Profumo“ und neuere Songs mit ungebremstem Temperament kratzig, kantig auf die Trommelfelle gegeben. Pure Emotion. Man spürt förmlich wie gerne sie herumtanzen würde; wäre da nicht der Am in der Schlinge.

Eine halbe Stunde lang muss das Publikum an diesem verregneten Abend bangen, ob Gianna nochmals auf die Füße kommt. Der Gitarrist Davide Tagliapietra versucht, die Zeit mit einem vielfarbigen Solo zu überbrücken. Dann haben Arzt und Sanitäter die Frau aus Siena wieder auf die Beine gebracht. Das autobiografische „Io“ interpretiert sie mit ihrer kehligen, rauen Stimme. Mit der italienischen Version des Hits „Me and Bobby McGee“ erinnert sie an Janis Joplin. Nach 30 Minuten versammelt sich die ganze Band an der Bühnenrampe zum Winken. Schluss. Keine Zugabe trotz unverdrossenem Beifall.
Wolfgang Nußbaumer
(26.07.2025)