Funkig, jazzig, einfach stark Empfehlung
- geschrieben von -uss
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Die "E-Town-Connection" lässt in der Theatersenke im Schloss nichts anbrennen.
Fotos: -uss
Wer assoziiert nicht gleich die „E-Street-Band“, wenn er „E-Town-Connection“ hört. Man entdeckt tatsächlich Parallelen beim Konzert der Ellwanger Samstagabend in der Theatersenke im Schloss.
In beiden Formationen spielen hervorragende Musiker. Nur ist das musikalische Spektrum der sich nach ihrer Heimatstadt nennenden Band breiter, als das der Kollegen in den USA. Und der entscheidende Unterschied: Sie hat eine Frontfrau; eine ganz starke: Anna Ott.
Sie ist nicht die einzige mit diesem Nachnamen. Bruder Paulus hext auf der Leadgitarre, dass man fast an eine Reinkarnation von Jimi Hendrix denkt. In dem erst 17 Jahre jungen Mathis Ott greift ein wahrer Tausendsassa in die Keyboardtasten. Wild kann er sein, aber auch ganz zart zum Träumen wie in dem Intro zur Zugabe. Als rhythmisches Rückgrat hält „Patriarch“ Joseph Ott an Becken und Fellen souverän die Chose am Laufen.
Die Adjektive langsam und leise kommen im Steckbrief der Ott-Familie nicht vor. Dafür sorgen mit ihr zusammen der knackige E-Bassist Tim Hunke, Martin Abele am Percussioninventar und der versierte Saxophonist und Keyboarder Reinhold Uhl. Er hat schon in der legendären Ellwanger Cocker-Band mitgewirkt.
In ihrem Musikmix mögen Ott und Co. in der Tradition der Kelly-Family stehen, in ihren Arrangements gewiss nicht. Ihre Coverversionen sind mit einer Raffinesse ausgefeilt, dass man die Originale meist nicht sofort identifizieren kann. Zumal sie auch einigen weniger bekannten Gruppen und Interpreten ihre Reverenz erweisen. Wie gleich zu Beginn der Isländerin Laufey mit einem gar nicht auf Ohr schmeicheln gedachten „From the Start“.
Selbstbewusst hängt die Band die Messlatte also gleich ziemlich hoch. George Bensons „Give me the Night“ in der Bala Brothers Version wird zum Motto des Abends, den die Sängerin, deren wandlungsfähige Stimme mehrere Oktaven umfasst, mit kesser Lippe gut gelaunt moderiert.
Ob Sades „Smooth Operator“, der ABBA-Hit „Gimme, Gimme, Gimme” in der heißen Version der „Nils Landgren Funk Unit“, oder Peter Gabriels “Sledgehammer”, den die Ott-Truppe nach der Pause schwingt - funkig aufbereitet von „The Brand New Heavies“ - , alle Titel sind fantastisch neu geschminkt. „Can’t buy me Love“ der „Scary Pockets“ (die auch nicht jeder auf dem Schirm hat), mit „Sorry“ auf die „COUCH” (noch ein Geheimtipp) oder selbst vergessen “The Way it is” von Bruce Hornsby einschlagen - mit Anna Ott und ihren Begleitern ist man immer auf dem rechten Weg unterwegs, reizvoll, spannend, reich an Überraschungen. Man freut sich auf ein Wiederhören.
Wolfgang Nußbaumer