Ganz präzise schwarz auf weiß Empfehlung

Fola Dada interpretiert auf ihre eigene, unnachahmliche Art, Songs der großen Nina Simone. Fola Dada interpretiert auf ihre eigene, unnachahmliche Art, Songs der großen Nina Simone. Foto: Wilfried Heckmann

„Don’t let me be misunderstood“ singt Fola Dada am Ende ihrer Hommage an die grandiose Pianistin und Sängerin Nina Simone. Da hat es kein Missverständnis gegeben.

   Schwarz auf weiß, ganz präzise, hat das Publikum im Theaterhaus in Stuttgart das wechselvolle Leben der charismatischen Sängerin miterleben dürfen. In berührenden Texten, packenden Songs, Filmsequenzen und Zeichnungen auf einer Leinwand - schwarz auf weiß! Mit der fantastischen Erzählerin Katharina Eickhoff und einem hochkarätigen Instrumentalquartett.

     In einem schlichten schwarzen langen Kleid betritt Fola Dada die Bühne. Begleitet von der Band, stimmt sie den Klassiker „Mood Indigo“ an. Sie wird in den kommenden zwei Stunden noch viele Klassiker der „High Priestess of Soul“ interpretieren. Songs dieser Frau aus einem frommen schwarzen Elternhaus, die schon als kleines Kind ihre Liebe zum Klavierspielen entdeckt hat. Obwohl eine hochbegabte Pianistin, wird sie nicht für ein Studium am Curtis Institute of Music in Philadelphia zugelassen. Sie vermutet, weil sie eine Farbige ist. Ironie des Schicksals: 2003, wenige Tage vor ihrem Tod, hat ihr das Institut ein Ehrendiplom verliehen. Das schlechte Gewissen hat wohl lange nachgewirkt…

    Stattdessen schlägt sie sich als Pianistin in einem Nachtclub durch, eine harte Prüfung für die selbstbewusste Künstlerin. Wären da nicht junge Leute unter den Gästen, die ihre Qualitäten erkennen und sie ermutigen. Und ihr nahelegen, in dieser „Location“ das Milchtrinken besser zu lassen. Nicht gut für’s Image. Zu ihrem Künstlernamen hat sich Nina durch die französische Schauspielerin Simone Signoret inspirieren lassen, deren Fan sie war.

   „I love you Porgy“ ist einer der Songs, die ihren Bekanntheitsgrad heben. Zum Star wird sie dann durch ein Konzert in der „Town Hall“ in New York. Doch bis sie sich ihren Traum von einem Auftritt in der „Carnegie Hall“ erfüllen kann, ist es noch ein weiter Weg. Dass dieser steil bergauf führt, hat sie nicht zuletzt den Managementfähigkeiten des New Yorker Polizisten Andrew Stroud zu verdanken, den sie 1961 heiratet. Später wird sie sich in der Bürgerrechtsbewegung engagieren, ihre Hoffnung in eine charismatische Lichtgestalt wie den Prediger Martin Luther King setzen. Doch er wird ermordet wie so viele andere Repräsentanten der schwarzen Community. Lieder wie „Mississippi Goddam“, das nach dem Mord an vier Religionsschülern durch den Ku Klux Klan entstanden ist, und „To be young, gifted and black“ („Jung, begabt und schwarz“) „die Nationalhymne“ der Protestbewegung, machen sie zur Stimme des Widerstands.

   Fola Dadas Interpretationen gehen unter die Haut. Nuanciert singen kann indes auch der preisgekrönte Gitarrist Christoph Neuhaus. Sein „Black ist the colour“ ist eines der Highlights des Konzerts. Gelegenheit, sich solistisch auszuzeichnen, erhalten auch der Pianist Ulf Kleiner, Felix Schrack am Schlagzeug und der Mann am Kontrabass, Florian Dohrmann. Er rühmt die große Jazzdiva: „Sogar ohne zu wissen, wer Nina Simone war, sind ihre Musik und ihre Interpretationen großartig. Ein einzigartiger Genuss. Warum sie so singt, wie sie singt… warum sie Klavier spielt, wie sie spielt… warum sie sagt, was sie sagt… Das alles erschließt sich, je mehr man in ihr Leben eintaucht. Dann wird aus ihrer Kunst mehr als nur Musik: etwas zutiefst Berührendes.“

     Durchaus berührend ist auch das kurze Interview, das Katharina Eickhoff mit ihrer engen Freundin Fola Dada führt. Diese meint, sie zwinge die Leute dazu, zu erkennen, dass Deutschsein nicht durch die Hautfarbe bestimmt wird. Wobei sie einräumt, in „ihrer Blase“ ohnehin keine Probleme zu haben. Indes gilt auch die Erkenntnis, wie sie der bayerische Barde Konstantin Wecker analog zu Nina Simone in seiner Ballade „Gestern hams an Willy derschlogn“ formuliert hat: „Freiheit bedeutet, keine Angst zu haben“. Einer der zahlreichen nachdenklichen Töne dieses denkwürdigen Abends, die alle der Vita der grandiosen „High Priestess of Soul“ geschuldet sind. Den Mitwirkenden dankt das Publikum mit sehr herzlichem und hoch verdientem Beifall. 

Wolfgang Nußbaumer

(17.05.2024)

  

       

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