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Eine amerikanische Oper Empfehlung

Icecream-Sextett, im Lob von Icecream  herrscht Einigkeit unter den Migranten  (Foto: privat) Icecream-Sextett, im Lob von Icecream herrscht Einigkeit unter den Migranten (Foto: privat)

Eine Premiere erlebte Gmünd mit der Aufführung von Kurt Weills amerikanischer Oper „Street Scene“.

Das Theater Pforzheim gastierte im Congreßzentrum Stadtgarten mit großer Entourage, eigenem Orchester und einer Vielzahl von Schauspielern und Sängern.
Ursprünglich war das Stück von Elmer Rice als Theaterstück geschrieben. Es spielt in einem Mietshaus in East Side, New York, nicht die beste Gegend. Die Bewohner haben europäische Wurzeln aus Frankreich, Italien, Irland, Schweden, Deutschland. Diese zusammengewürfelte Gesellschaft wohnt auf engem Raum zusammen und muß irgendwie miteinander klarkommen. Die Nachbarschaft lebt von Klatsch und Tratsch, das ist der Kitt, der die unterschiedlichen Nationalitäten verbindet.

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Kurt Weill, der Emigrant aus Nazideutschland mit jüdischen Wurzeln wollte die Migrantengeschichte aus der Sicht eines Migranten musikalisch bearbeiten. Er hatte bei Engelbert Humperdinck und Ferruccio Busoni Musik studiert. In Deutschland bekannt ist er vor allem durch die  Dreigroschenoper, deren eingängige Lieder jedes Kind kennt, „der Haifisch, der hat Zähne“ oder „ein Schiff wird kommen“.  Weill wollte eine Musik schreiben, die das Publikum versteht. Aus der Opernwelt brachte er italienische Arien, die an Puccini  und Rossini erinnern mit und mischte diese mit amerikanischem Jazz und Mainstreammusik, die er in seiner Umgebung beobachtet hatte.


Zu hören war eine Mischung aus vielen Zutaten. Das Orchester spielte eine opernhafte Begleitmusik zu den Arien der Familie Maurrant, die im Zentrum des Geschehens steht. Die Musik setzt wie die Filmmusik dramatische Akzente und kündigt schrill und unheildrohend die Katastrophe an. Daneben steht die Gesangseinlage des schwarzen Hausmeisters, der seinen Besen zu Jazzrhythmen und Spirituals schwingt. Ein geradezu artistisches Bougietanzpaar  verkörpert die neue Welt des jazzigen Jitterbug. Kindersingspiele werden von den Gassenkindern vorgeführt. Im parodistischen Icecream-Sextett klingt der Belcanto-Stil an.  Es ist heißt und das Eis mögen schließlich alle.


Rezitativ und Gesang liegen nahe beieinander. Die Gesangstexte wurden zum besseren Verständnis übertitelt. Die Schauspieler zeigten großartige Leistung mit viel Bühnenpräsenz. Aus den Namen lässt sich die unterschiedliche Herkunft ableiten. Hier wird die amerikanische Einwanderergeschichte ins Pforzheim von heute transferiert. Dramaturg Thorsten Klein und Regisseur Thomas Münstermann unterstrichen den Migrationshintergrund durch deutsche Dialekten und Akzente.

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