Aus dem Schatten ins Licht Empfehlung

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Zum Abschluss der Vortragsveranstaltung in der Schlierbachhalle hat sich Sabine Heidrich bei ihrem Amtsvorgänger Manfred Fischer für dessen Referat bedankt. Neben Fischer stehen Pfarrer Zorn, Helmut Schweitzer und Fred Ludwig von der Stolpersteininitiative Aalen.  Links neben der Bürgermeisterin steht Cordula Herchet-Hofrichter. Zum Abschluss der Vortragsveranstaltung in der Schlierbachhalle hat sich Sabine Heidrich bei ihrem Amtsvorgänger Manfred Fischer für dessen Referat bedankt. Neben Fischer stehen Pfarrer Zorn, Helmut Schweitzer und Fred Ludwig von der Stolpersteininitiative Aalen. Links neben der Bürgermeisterin steht Cordula Herchet-Hofrichter. Foto: -uss

Hat ihr Amtsvorgänger Bürgermeister a.D. Manfred Fischer nun Geschichten aus der NS-Diktatur „vom Schattendasein ins Licht gebracht“, wie Sabine Heidrich den Bürgerinnen und Bürgern in der bis auf den letzten Platz besetzten Schlierbachhalle in Neuler angekündigt hat?

   Er hat. Von zehn behinderten Menschen, die ermordet worden sind; acht davon namentlich im Schloss Grafeneck.

   Der ehemalige Bürgermeister hat in seinem Ruhestand lange und gründlich recherchiert. Die Ermordeten sind der „Aktion T4“ zum Opfer gefallen. Sie wurde auf Geheiß Hitlers in der Tiergartenstraße 4 in Berlin geplant, um Menschen, die nicht oder nur sehr eingeschränkt arbeitsfähig waren, als „Ballastexistenzen“ zu beseitigen. Sie kosteten nur Geld.

   Vermerkte der begutachtende Arzt auf dem Einlieferungsschein ein rotes Kreuz, führte der Weg des Patienten auf die andere Straßenseite in einen Raum zur Vergasung und anschließenden Verbrennung. Ein Schicksal, das auch die Behinderten aus Neuler erlitten haben. Grafeneck war quasi die Blaupause für den Holocaust. Auf der Mitteilung an die Angehörigen wurde als Todesursache unter anderem „Bronchitis“ genannt. Unter den 10654 Menschen, die in Grafeneck ermordet worden sind, waren auch acht aus der Gemeinde Neuler. Zwei weitere starben in der Heilanstalt Winnental und im Konzentrationslager Mauthausen.

   Fehlt einer. Johannes Kolb. Der junge HJ-Führer wurde im KZ Natzweiler umgebracht. Angeblich, weil er homosexuell gewesen sein soll. Jedenfalls geriet er durch eine Diffamierung ins Fadenkreuz der Gestapo. Und aus deren Netz gab es kein Entrinnen. Vergeblich die Briefe, die seine Mutter nach Ellwangen schickte. So oder so ist dieser Mann ein Opfer der Naziideologie geworden; er hat einen „Stolperstein“ verdient. Der Künstler Gunter Demnig verlegt diese Steine ohne Ansehen der Person. Allein entscheidend ist ihr Opferstatus, nicht ihr Charakter, noch ihr Lebenswandel.

   Anmerkungen zu Neuler im 3. Reich hat der Heimatforscher Helmut Schweitzer gemacht. Dort habe man den Nazis „bis auf wenige Ausnahmen“ skeptisch gegenübergestanden.

   Musikalisch stimmungsvoll umrahmt haben die Feier Heidi Glaser-Schimmel, Monika Salvasohn und Matthias Schimmel. Fred Ludwig von der Stolpersteininitiative Aalen überbrachte deren Grüße und Cordula Herchet-Hofrichter erläuterte das Projekt des Künstlers Gunter Demnig, der am Montag in Neuler vier Stolpersteine verlegt hat. Der katholische Pfarrer Zorn hat ein „Gebet für den Frieden“ gesprochen. Anschließend hat es noch Getränke und Häppchen gegeben. 

Wolfgang Nußbaumer     

(21.11.22)

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