Uwe Ernsts „Weltrauschen“ Empfehlung

Uwe Ernst (r.) mit Clemens Ottnad und einigen Vernissagegästen vor seinem Bild. Uwe Ernst (r.) mit Clemens Ottnad und einigen Vernissagegästen vor seinem Bild. Foto: -uss

Alles hat sich bei einer Vernissage im Atelier von Uwe Ernst in Böbingen um sein neuestes Werk gedreht. Ein großformatiges Triptychon mit dem Titel „Weltrauschen“, an dem der Zeichner und Maler rund acht Monate gearbeitet hat.

   Christliche Ikonografie spielt bei diesem dreiteiligen Bild trotz seiner historischen Verortung im religiösen Kontext keine Rolle. Darauf hat der Kunsthistoriker und Geschäftsführer des Künstlerbunds Baden-Württemberg, Clemens Ottnad, im Gespräch mit dem Künstler hingewiesen.

   Wer diese Arbeit sieht, denkt fast automatisch an berühmte Altäre wie den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald oder das Triptychon von Friedrich Herlin in der Nördlinger Stadtkirche. Meisterwerke in Farbe. „Warum schwarzweiß?“ fragt Ottnad zu Uwe Ernsts Dreiteiler.

   Den Zeichner und Maler hat die schwarze Kreide schon immer fasziniert. Ihr sei die Klarheit immanent. Mit ihr kann man nicht mogeln. Ihr vertraut er „intuitiv“, wie er den Vernissagegästen verrät. Die Kreide bringt an den Tag, was ihn umtreibt. Und Clemens Ottnad ergänzt im würdigenden Blick auf das Triptychon: „Die Zeichnung ist das intellektuellste Mittel in der Bildenden Kunst.“

Triptychon.jpg

 

   Während auf dem linken Bild eine beherrschende Figur mit einem Tuch eine Reihe aus Behältern schauende Gestalten her- oder wegzaubert, zeigt eine ähnliche Figur auf dem rechten Bild dem Betrachter einen Fisch mit Menschengesicht. Hat er dieses „archetypische Symbol für die Urweisheit“, so der Künstler, aus einem Kescher gezogen, oder wird er ihn hineinlegen? Und was bedeutet das dunkle gehörnte Wesen?  Für Uwe Ernst ist diese Tafel jedenfalls eine Metapher für den gesellschaftlichen Abschied von Immanuel Kants Aufklärungsschriften. Mit deren Entsorgung werde Platz geschaffen für Neues. Vielleicht eine dringend notwendige aktuelle Aufklärung im Zeitalter von Ökonomisierung, Technisierung und Digitalisierung.

   Die Figuren auf dem linken Bild verkörpern für ihn das „Wir“. Hier reine Objekte, die er wieder zu verantwortlich handelnden Subjekten transformiert. Zumindest könnte man die hell leuchtende Kugel so deuten, die der „Zauberer“ aus seiner rechten Hand hinabgleiten lässt. Die Erleuchtung ist unterwegs.

   Deutlich wird der Bezug zum Titel und den Seitenteilen im mittleren Bild. Der Künstler selbst wird aus einem Zeitfenster des Universums in die Welt geschleudert. Oder wird er hineingezogen? Umgeben von Planetenformen, die durch das All schießen, von Zifferblättern, die alle dieselbe Zeit anzeigen, und von menschlichen und tierischen Gestalten. Das Leben, Gesellschaft und Gegenwart sind in Uwe Ernsts Weltsicht ganz offenkundig ambivalent. Und der entdeckenden Fantasie sind im „Weltrauschen“ keine Grenzen gesetzt.

   Info: Das Atelier Adlergasse 1, Böbingen/Rems, ist am Donnerstag, 17. und am Freitag, 18. November von 13 bis 18 Uhr geöffnet. 

Wolfgang Nußbaumer

(15.11.22)

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