Die Suche nach der Balance Empfehlung

Diese kleine Skulptur visualisiert den Ausstellungstitel "In der Schwebe" perfekt. Diese kleine Skulptur visualisiert den Ausstellungstitel "In der Schwebe" perfekt. Foto: -uss

Am selben Abend, als auf Schloss Balmoral in Schottland der Tod von Queen Elizabeth II. bekannt gegeben worden ist, hat man auf Schloss Fachsenfeld im Ostalbkreis eine Ausstellung in memoriam Eckart Dietz eröffnet - „In der Schwebe“.

   Neben dem zeitlichen Bezug beschreibt der Titel die hohe Kunst der Bildhauerei des verstorbenen Künstlers, zum andern dürfte er über dem Weiterbestehen der britischen Monarchie stehen. Eine zeitliche Parallele an diesem Vernissageabend, „die nur für einen Augenblick sichtbar ist.“ Kurator Hermann Schludi hat in seiner analytisch profunden Einführung in die in einigen Räumen im Obergeschoß integrierten Arbeiten den amerikanischen Schriftsteller und Salsa Tänzer Erol Ozan zitiert, dessen Aphorismus „den künstlerischen Arbeiten von Eckart Dietz wie auf den Leib maßgeschneidert scheint.“ Dessen erster Teil lautet „Tanzen ist wie eine Skulptur zu erschaffen.“

   Tanz und Bewegung im Kontext der menschlichen Figur haben das Schaffen des begnadeten Bildhauers bestimmt. Im Unterschied zu seinen im wahrsten Sinne des Wortes schwungvollen Zeichnungen, scheinen seine Skulpturen in ihrer gewichtigen Guss-Materialität für die Ewigkeit bestimmt. Dieser Gegensatz zwischen schwereloser Grafik und massivem Metall trägt philosophische Züge. Programmatisch zu studieren in der kleinen Aluminium-Arbeit „Sartre’sches Überfliegen mit Schlagschatten“ von 1993. Die sich auf ihren Armen abstützende Figur befindet sich in der Schwebe. Wobei der Name im Grunde nichts zur Sache tut. Dietz will, wie Schludi den 2019 gestorbenen Künstler zitiert, „die Natur studieren, um dann von der Natur weg zu gehen.“ Er abstrahiert hin zum reinen Interesse an den Möglichkeiten der Form, mit denen er, so der Vernissageredner, „den Inhalten menschlicher Bewegung und Gestik nachspürt und künstlerischen Ausdruck verleiht.“

   Der Tanz hat den hochgewachsenen Mann mit der Baskenmütze gefesselt. Nicht wegen des Gefühls, das ihn in Bewegung bringt, sondern wegen seiner Stadien. Wie er sie in seinen Zeichnungen festgehalten hat. Sie bilden zusammen mit den kleinen und großen, kompakten und linearen Plastiken im Obergeschoß des Schlosses eine spannungsvolle Einheit.

   Zu Beginn hatte sich der Vorsitzende der Stiftung, Aalens OB Frederick Brütting, über die vielen „Dietz-Fans“ unter den zahlreichen Gästen gefreut. Die Ausstellung passe hervorragend zu dem Thema Tanz, das bis 2024 einen Schwerpunkt im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt bilde.

   Landrat Dr. Joachim Bläse würdigte den Künstler als einen Mann, der als feste Größe der städtischen Gemeinschaft weit über die Region hinaus gewirkt und viel für die Förderung des künstlerischen Nachwuchses geleistet habe.

     Beredten Dank für die rühmenden Worte und die Unterstützung des Projekts sagte zum Schluss die Kunsthistorikerin und Dietz-Lebensgefährtin Valeria Waibel. Sie galten auch dem Gmünder Pianisten Michael Nuber, der mit zwei klangmächtigen Stücken von Debussy Dietz‘ Schaffen in hinreißende Musik übersetzt hat.

   Info: Die Ausstellung „In der Schwebe“ ist bis 27. November zu sehen; www.schloss-fachsenfeld.de

Wolfgang Nußbaumer 

(11.09.22)    

          

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