Frauen auf Schloss Kapfenburg Empfehlung

Eva Gentner und ihr Vater Claudius Zott leiten mit einer Performance die Vernissage ein. Eva Gentner und ihr Vater Claudius Zott leiten mit einer Performance die Vernissage ein. Foto: Schloss Kapfenburg

Die aus Ellwangen stammende Künstlerin Eva Gentner bedient sich aus allem, was das Kunstregal zu bieten hat.

   In ihrer aktuellen Ausstellung auf Schloss Kapfenburg vor allem aus der Geschichte, wie Akademiedirektor Moritz von Woellwarth die zahlreichen Vernissagegäste wissen ließ.

     Schon metaphorisch mutet die Eröffnung im Rittersaal an. Die 29 Jahre junge Frau liest einen ihrer Texte, während ihr Vater Claudius Zott dazu auf der Gitarre eingängige Klänge zupft. Stimme und Musik vermischen sich dann in einem Loop, in dessen Soundamalgam die sieben möglichen Geschichten von möglichen Frauen im Nebel der Vergangenheit versinken. Nur um in einem Raum einige Meter weiter unten in der ehemaligen Deutschordens-Feste wieder ins Licht der Gegenwart gehoben zu werden. Durch Artefakte, die trotz ihrer historischen Patina ganz gegenwärtig sind. Eva Gentner füllt damit eine erzählerische Lücke in der Geschichtswahrnehmung.

    Mit dem Titel der Dauerausstellung „Narrative void“ spielt sie in ihren eigenen Worten „auf jene Zwischenklänge und Leerstellen an, die im Nicht-Erzählten liegen und die die gängige Haupterzählung möglicherweise in ein anderes Licht rücken.“ Nicht erzählt wird in der offiziellen Schlossgeschichte und deren Herren von den Frauenschicksalen, die mit ihr verbunden werden könnten. An sie erinnert die Künstlerin mit einem einer historischen Urkunde des Deutschordens nachempfundenen Schriftstück über eine Schenkung („Die Stifterin“), mit einem reich verzierten Damenschuh („Die Ehefrau“), dem Auszug aus einem Psalter („Die Geistliche“), einer Reliquie („Die Heilige“), einer blauen Brosche („Die Königin), einer Kette als Grabbeigabe, die jedoch ebenso in der letzten Ruhestätte eines Mannes gefunden worden sein könnte („Die Vermeintliche“). 

    Und schließlich ein Kleidungsstück mit Hakenkreuz und originaler Nadel, das daran erinnert, dass sich im Schloss von 1936-45 eine Ausbildungsstätte der NS-Volkswohlfahrt (NSV) befunden hat („Die Mörderin“). Durch die edle Präsentation in Glasvitrinen erhalten die Arbeiten zum einen musealen Charakter, zum andern bringen sie die historische Möglichkeit und Realität wirkungsvoll ins Licht der Erkenntnis. 

Wolfgang Nußbaumer       

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