Reinste Hingabe an die Musik Empfehlung

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Völlig eins mit ihrer Musik - die Pianistin Natalia Ehwald. Völlig eins mit ihrer Musik - die Pianistin Natalia Ehwald. Foto: -uss

Vor drei Jahren hat die Pianistin das Publikum der Ellwanger Schlosskonzerte mit Franz Schuberts großer Sonate A-Dur entzückt.

   Jetzt hat Natalia Ehwald mit dem anderen Meisterwerk, der Sonate B-Dur D 960 gezeigt, wie nahe sie dem sagenhaften „Schubert-Ton“ schon gekommen ist. Reinste Hingabe an köstlichste Musik.

   Statt mit dem angekündigten Mozart hat die inzwischen 38 Jahre zählende Pianistin am Samstagabend das Konzert mit Johann Sebastian Bachs Partita B-Dur Nr. 1 eröffnet. Dieses Paradestück geht sie allerdings mit Mozartscher Leichtigkeit und Esprit an mit größter Seriosität im Ausdruck. Ja, Natalia Ehwald kann auch Bach.

   Vom weiteren B-Giganten, Ludwig van Beethoven, hat sie sich dessen Sonate op. 109 ausgesucht, ein poetisches Klangkleinod schlechthin. Im Adagio espressivo scheint die Virtuosin nach dem energiegeladenen Vivace fast in die Tasten hineinkriechen zu wollen, um auch die kleinste Nuance auskosten zu können.

   Und da zerstört ein akustischer Supergau die atemlose Spannung. Durch die wegen Corona weit geöffneten Fenster dringt harter Rock herein. Künstlerin und Publikum sind gleichermaßen irritiert. Feiern da Jugendliche unten am Schloss eine Party? Nein, unten am Pumpenhaus vor den Schlossweihern zeigt die Pop-Kultur lautstark Flagge. Rasch werden die Fenster geschlossen. Tief muss Natalia Ehwald in ihrem weißen Einteiler durchatmen, um ihre Konzentration wieder auf zu bauen. Im Prestissimo fegt sie die Störung weg, während unter ihren Händen in den von musikalischer Weisheit getragenen Variationen des abschließenden Andante der Seelenfrieden bei allen wieder einkehrt.

   Spätestens nach der Sonate B-Dur D 960 weiß man, warum Franz Schubert Beethoven so geschätzt hat. Er muss sich jedoch mit diesem wahrlich weit gespannten Werk nicht hinter dessen Sonate verstecken. Deren hochkonzentrierten romantischen Tonfall spinnt die Pianistin kongenial weiter. Mit breiten, wuchtigen Pinselstrichen und kontrastierenden hauchzarten Farbtupfern malt sie ein fesselndes, tief berührendes Tongemälde. Herrlich erblüht ein Thema von volksliedhafter Schönheit über der Basis wohldosierter Bässe.

   Das Andante interpretiert Natalia Ewald wie ein aus tiefstem Herzen kommendes Gebet, um das Scherzo dann wie einen kräftigen Schluck Champagner zu kredenzen. Und munter geht es weiter mit einem Kontrastprogramm aus dynamischer Verve und leisen Streicheleinheiten. Bis die Pianistin sich zum letzten Mal nach hinten biegt und den linken Arme nach hinten ausstreckt. Für den brausenden Applaus bedankt sie sich mit tiefen Verbeugungen. Nach dieser Sonate könne sie keine Zugabe mehr spielen. Tiefstes Verständnis ist ihr sicher.

 

Wolfgang Nußbaumer 

           

      

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