Makellos - Alexej Gorlatch Empfehlung

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Alexej Gorlatch in seinem Element - den schwarzen und weißen Tasten. Alexej Gorlatch in seinem Element - den schwarzen und weißen Tasten. Foto: Schloss Kapfenburg

Makellos. Mehr kann man über den Pianisten Alexej Gorlatch und sein Klavierspiel nicht sagen.

   Sein Konzert auf Schloss Kapfenburg hätte keinen besseren Ort für diese beseelte Musik von Adel finden können, als den Fürstensaal. Das Publikum war hingerissen.

   Obwohl das Interesse des 33-jährigen Genies als Lehrer vor allem der Vermittlung der Musik des 20. und des 21. Jahrhunderts gilt, scheint er das gesamte Klavierrepertoire in Kopf und Fingern zu haben. Aus diesem Notenuniversum hat er sich für den Donnerstagabend ein paar von Beethoven und weitaus mehr von Chopin geholt. Quasi als Fingerübung und um mit dem Steinway-Flügel nach dem nachmittäglichen Proben noch näher vertraut zu werden, hat Gorlatch mit Beethovens frühen „Sechs Variationen über ein eigenes Thema“ in F-Dur seine unübertreffliche Musikalität schon einmal aufblitzen lassen.

   Mit Frédéric Chopin hat dann die eigentliche Sternstunde begonnen. Im Scherzo b-Moll kontrastiert der Pianist perlende Läufe mit dynamischer Aufwallung. Ein Rezept, das auch in den beiden Nocturnes Es-Dur und c-Moll trefflich funktioniert. Zärtliche Nachtlieder voll Poesie, ein Glasperlenspiel mit Forte-Akzenten.

   In der großartigen kraftvollen Polonaise As-Dur „Heroique“ kann man nur schwer Schritt halten bei diesem Tanzmeister, der gefühlt über vier Hände verfügen muss.

   Nach der Pause nimmt sich Alexej Gorlatch die atemberaubenden Études Op.10 des jungen Chopin vor.  Ein ukrainischer Spezialist für die von jenem entdeckte Spezialität des polnischen Tonsetzers. In den zwölf Stücken breitet Chopin seine ganze große Kunst der Klavierkomposition aus. Es beginnt mit einem brausenden Allegro, in dem harmonische Glanzlichter über einem Bassgefüge leuchten. Und es endet mit dem großen Drama der „Revolutionsetüde“ Allegro con fuoco. Den Ohrwurm des dritten Stückes „Lento ma non troppo“ kann man als sich im ekstatischen Vollzug auflösende differenzierte Liebeserklärung verstehen. Tatsächlich malt der Komponist – und mit ihm sein Interpret - wohl eher Verlustgedanken aus, die er mit einem Presto-Sturm wegbläst. Auf den Wohlklang des „Schwarze Tasten“-Vivace folgt ein Andante mit schmerzlich-dramatischen Zügen, dessen finale enharmonische Steigerung in einem die Spannung lösenden – mit fantastischem „Timing“ angeschlagenen - Dur-Ton endet.

   Die Fingerübungen, als die Chopin die zwölf Stücke gedacht hat, münden über das pianistische Höchstleistung erfordernde Zehnte Vivace assai in die wahrlich feurige „Revolutionsetüde“.  In ihr bündelt der Pianist wie in einem Brennglas das reiche musikalische Material der „Études“. Akkorde schließen sich schon rauschhaft mit Melodieläufen zu einem Notenamalgam zusammen, das dank Alexej Gorlatchs Souveränität immer transparent bleibt.

   Für den hochverdienten Beifall bedankt sich der bescheidene Künstler mit zwei „Préludes“, zuletzt mit jenem, das mit „Regentropfen“ assoziiert wird. Welch warmer Regen!

 

Wolfgang Nußbaumer       

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