Joss Stone macht gute Laune

Joss Stone gibt alles! Joss Stone gibt alles! Foto: Schloss Kapfenburg

Was für ein Abend. Was für eine Frau. Wie die lachen kann. Im langen weißen, leicht gemusterten Kleid schreitet sie aus dem Bühnendunkel ins Rampenlicht. Barfuß. Eine Königin ist sie dennoch. The Queen of Soul, Joss Stone.

   Ihr Konzert zum Abschluss des Kapfenburg-Festivals zählt zum Besten der vergangenen zwei Jahrzehnte. „Hin und weg“ waren selbst Veteranen des Unterhaltungsbusiness.

   Zwei Tage nach einem Konzert in der Schweiz präsentiert sie sich auch auf dem deutschen Schloss in Bestform. „It’s a little bit cold“, stellt sie lächelnd fest. Windig auch, aber wenigstens trocken. Damit es ihrem Publikum – „nice to see you“ – und ihr gleich warm wird, startet sie gleich nach den ersten Songs zu einer Tour zu den Fans. Und studiert Chorgesang ein. „Mummh“ summt sie. Ein 500köpfiger Bienenschwarm antwortet. Die Britin hat noch mehr gemeinsames Liedgut auf der Pfanne; nicht nur das, sie bittet vor der Bühne sogar zum Tanze, „love me, take me“.

   Angetrieben von Flo Dauner am Schlagzeug und an Hammondorgel und Keyboard zusammengehalten von Christian Lohr gibt die Band Joss Stone einen sicheren Rückhalt. Egal, wo sie sich rumtreibt. Dabei spielen sie erst zum zweiten Mal zusammen, wie sie verrät. In „I put spell on you“ bringt sie zusammen mit dem brillanten Gitarristen Jean-Pierre von Dach, der sein Instrument exzessiv jubeln und kreischen lässt, mit einer ihm kein Jota nachstehenden Stimmgewalt die Fans in Ekstase. Starkstrommusik, die direkt in die Beine zielt. Joss Stone legt nach mit „It’s a Man’s Man’s World“ und dem „Son of a Preacher Man”.

   Zwischendurch hat sie sich, very british, eine Tasse Tee bringen lassen, erzählt von Hund und Dusty Springfield, neben Aretha Franklin einer ihrer persönlichen „Heroes“. Joss Stone kann Steine zum Weinen bringen. Vor Glück. Bevor selbst die Burg noch in Tränen ausbricht, verabschiedet sich diese Traumfrau mit einer Zugabe. „You can never leave me“. Ja, sie klingt noch lange nach.

   Weniger dürfte das für „The Velvet Rocks“ gelten. Die drei Opernsänger aus München haben sich „zu einem Experiment“ zusammengetan. Ihre Stimmen vor und im orchestralen Glanz auszubreiten. Nur sind die beiden Tenöre und der abgrundtiefe Bass zum Glück weder „Radioactive“ noch passen ihre Organe – leider – zusammen. Dass sie sich an dem zeitlos guten Deep Purple-Hit „Smoke on the water” vergriffen haben, ist kaum zu verzeihen. Während sie bei Joss Stone als Vorgruppe auf die Bühne durften, agierten sie am Abend zuvor bei der „Night oft he Voices“ als Topact.

 

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   Dabei können sie dem A Cappella-Quintett ONAIR aus Berlin nicht mal das Wasser reichen. Die beiden Sängerinnen Jennifer Kothe und Marta Helmin sowie ihre Kollegen André Bachmann, Kristofer Benn und Patrick Oliver haben sich vor acht Jahren zusammengetan und schwimmen seitdem auf einer Welle des Erfolgs. Das verwundert nicht. Denn ob sie „Radio Ga Ga“ von „Queen“, „Superstition“ von Stevie Wonder, „American Boy“ von „Estelle“, „New Born“ von „Muse“ oder „Wish you were here“ von „Pink Floyd“ covern, das geht alles wie süßes Gift ins Ohr. Den letzteren Song darf Bass Kristofer Benn singen. Und nicht immer nur „dumdum“ ins Mikro machen. Eine Lehrstunde in Sachen „Beatboxing“ gibt Patrick Oliver. Da prasselt ein ganzes Drumset von der Bühne, kontrastiert von Sphärenklängen der anderen Vier. Der letzte Song bleibt Marta Helmin vorbehalten, ein Klassiker schlechthin, „Stairway to Heaven“ von „Led Zeppelin“. Hinreißend. Als Zugabe bringen die fünf Stimmartisten noch einen deutschen Gute-Laune Song.

    Nicht vergessen darf man die in der Mannheimer Popakademie ausgebildete Liedermacherin „listentojules“. Sie hat mit eigenen einfühlsamen Songs und sanfter Stimme allein mit ihrer Gitarre den Abend eröffnet.

Wolfgang Nußbaumer 

     

    

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