Clubjazz trifft Italopop

Aus voller Kehl und frischer Brust: Roberta Valentine und Pino Barone. Aus voller Kehl und frischer Brust: Roberta Valentine und Pino Barone. Foto: Schloss Kapfenburg

Italienisch ist die Nacht auf Schloss Kapfenburg am Sonntag erst geworden, als die Schwalben allmählich den Sternen Platz machten.

   Zuvor sind die Fans von swingendem Jazz auf ihre Kosten gekommen. Ein Auftritt, auf den sich der junge Berliner Sänger Atrin Madani seit sechs Monaten gefreut hat. Die Erwartung der Mehrzahl der rund 500 Gäste dürfte jedoch eher die Pino Barone Band mit ihrem Best of italienischem Pop erfüllt haben.

   Der Mann mit der samtweichen Stimme hatte sein Programm der US-Ikone Tony Bennett gewidmet. Der Jazzsänger und Entertainer wird in wenigen Tagen 95 Jahre alt – und singt noch immer. Mit seinen Songs hat er diverse Grammys und die Hochachtung eines Frank Sinatra gewonnen. Atrin Madani verortet seine Interpretationen in ihrem jeweiligen historischen Zusammenhang. Damit bringt er dem Publikum auch ein Stück Jazz- und Filmgeschichte nahe. Die zu Herzen gehende Ballade „The shadow of your smile“ ist für den Streifen „The Sandpiper“ mit Elizabeth Taylor und Richard Burton geschrieben worden. Da rücken einige Paare auf den Bänken im Schlosshof schon ein wenig enger zusammen. „I left my heart in San Francisco“, einer der bekanntesten Bennett-Songs, bietet keinen Grund, voneinander abzurücken.

    Mit „All the way“ zeigt Bill Petry, dass er auf der Trompete mindestens so sanft und zugleich eindringlich blasen kann, wie Madani singen – ein Lyriker. Die Musik, die das Quartett zusammen mit Petry macht, kommt zwar so federleicht daher, ist jedoch alles andere als leichte Kost. Deshalb quasseln manche Leute auch lieber, als aufmerksam zu lauschen. So gepflegt interpretierter vokaler Jazz entfaltet sich in einer Clubatmosphäre besser als unter freiem Himmel. Das gilt für den Song von Dexter Gordon “I guess I’ll have to hang my tears out to dry” ebenso wie für Frank Sinatras „Fly me to the moon”.

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   Im Herbst will Atrin Madani seine erste CD einspielen. Einen Vorgeschmack darauf gibt er mit „When the sun keeps shining“. Der charmante Typ erweist sich als begnadeter „Crooner“. Das sind Sänger in der modernen Nachfolge eines Frank Sinatra, die das Mikrofon auf Sanftpfoten umschnurren, aber auch ins „Forte“ umschalten können, wenn es das Lied verlangt. Das geschieht bei Madani mit seiner enormen Modulationsfähigkeit eher selten. Selbst den Beatles-Klassiker „The long and winding road“ kleidet er völlig neu ein. Das verlangt Mut – und Können. Der Applaus nach 90 intensiven Minuten gilt neben dem Sänger und dem Trompeter der mit Christian von der Golz am Piano, Olaf Casimir am Kontrabass und Jordan Dinsdale am Schlagzeug hochkarätig besetzten Band.

   Stimmungsmusik nach italienischer Art bringt die Pino Barone Band auf die Bühne. Eigentlich kann der quirlige Kerl mit der sonoren Stimme mindestens ebenso gut fränkisch wie italienisch. Wie die Vollblutitalienerin Roberta Valentini stammt er aus Nürnberg. Italienisch zieht aber besser. Einige Leute im Publikum reagieren wie elektrisiert; in ihren Adern fließt ziemlich sicher ebenfalls italienisches Blut. „Felicità“ kennt jeder, „Parole, parole“ ebenso. Mit einem Schuss Rock besingt die Musicaldarstellerin Valentini „Susanna, mon amour“, Paolo Conte darf ebenso wenig fehlen wie die andern Popstars vom Stiefel, von Adriano Celentano bis Zucchero. Da kommt Freude auf. Die Schwalben haben den Himmel geräumt. Jetzt funkeln die Sterne mit dem Bühnenzauber um die Wette. 

 

Wolfgang Nußbaumer   

      

 

    

      

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