Trommeln in der Nacht

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Die junge Koreanerin bringt bei den "Talking Drums" ihr Marimbaphon zum Sprechen. Die junge Koreanerin bringt bei den "Talking Drums" ihr Marimbaphon zum Sprechen. Foto: Schloss Kapfenburg

Was für ein Spektakel aus Donnergrollen und zuckenden Blitzen. Ein Gewitter über Schloss Kapfenburg – und das bei klarer Nacht.

   Angefacht haben es zu „in situ 22“ Freitagabend das Percussionensemble der Stuttgarter Musikhochschule und der Oberzündler Joachim Berner.

   Corona bedingt haben sich zur Festivaleröffnung nur rund 500 Gäste eingefunden. Während über ihren Köpfen die Schwalben zwitschernd durch die Luft zischen, bekennt der Stiftungsvorsitzende Klaus Pavel: „Hier zu stehen und sie alle zu sehen ist ein pures Vergnügen.“ Umgekehrt gilt das genauso.  Endlich wieder Festivalatmosphäre genießen, auf die man so lange verzichten musste. Zur Einstimmung hatte der seit April amtierende neue Akademiedirektor Moritz von Woellwarth die junge SingerSongwriterin Penny X engagiert. Frisch examiniert an der Mannheimer Pop-Akademie interpretiert sie zur Gitarre frohgemut eine Fülle ganz unterschiedlicher Songs.

   Und weil es dann noch immer hell ist, muss Pavel das Ganze „ein bissle ziehen“. Bei der Gelegenheit erfährt man unter anderem, dass die Landtags-SPD einst mit einer Geldspritze aus ihrem Fraktionstopf den Bestand der Stiftung gerettet hat. Deren Chef Andreas Stoch, der neben mehreren Kolleginnen und Kollegen unterschiedlicher Couleur im Publikum sitzt, wird es mit Genugtuung vernommen haben. So erfüllt sich auch für ihn die Hoffnung, die von Woellwarth in seiner Einladung formuliert hat: „Bei schönstem Wetter können wir hoffentlich einen tollen Abend miteinander verbringen.“ Dessen Vorgänger als Burgvogt muss nicht lange überlegen auf die Frage, welches sein schönstes Erlebnis gewesen sei. Unter all den tollen Eröffnungen hat sich die erste „in situ“ in seiner Erinnerung eingebrannt. Damals hat es das Schloss als „riesiges Saiteninstrument“ sogar ins Guinnessbuch der Rekorde geschafft.

   Davon träumt der neue Schlossherr zwar nicht; dafür sieht er die Digitalisierung und das fest auf der Kapfenburg verankerte Projekt „Musik und Gesundheit“ als große Aufgaben. Ob es ihm gelingt, im nächsten Jahr Wolfgang Niedeckens BAP zu engagieren? Dann hätte er eine weitere Aufgabe gemeistert.

   Inzwischen konstatiert Klaus Pavel, dass es allmählich dunkel und damit Zeit wird, die „Talking Drums“ sprechen zu lassen. Mit Verve tun das dann die jungen Perkussionisten aus vieler Herren Länder von Korea bis Norwegen auf ihren westafrikanischen Nachrichtentrommeln und diversen weiteren Schlagzeugen. Wahrlich ein Rhythmus bei dem jeder mit muss. Obwohl es diese Rhythmen in ihrer Vielfalt in sich haben. Kontrastierend zu den meist hauchig schwebenden Klängen, die zwei junge Frauen tänzerisch bewegt Marimba und Vibraphon entlocken, fügen sie sich zu einem erregenden Gesamtkunstwerk.

   Feuerzungen lecken unter den strengen Blicken zahlreicher Feuerwehrleute an Hauswänden hoch und befeuern mit ihrem heißen Atem magisch den Einzug einer Trommlergruppe. Wenig später schießt das von den „Talking Drums“ angefeuerte Flammenmeer zum vielfarbig sprühenden Blitzgewitter geordnet über das Schloss.  Was für ein Abend! 

Wolfgang Nußbaumer 

  

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