Don Juan gesucht

Celina Rongen Celina Rongen Foto: Maks Richter

Viele Theaterproduktionen müssen derzeit abgesagt oder verschoben werden – das Schauspiel Stuttgart hat trotzdem am Ende der Corona-Spielzeit 2020/21 nochmal Großes vor: Der Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner und bildende Künstler Achim Freyer wird im Schauspielhaus Molières Lustspiel "Don Juan" inszenieren.

   Die erste literarische Gestaltung des Don Juan stammt von dem spanischen Dramatiker Tirso de Molina. Molière lernte den Don Juan-Stoff durch das italienische Commedia dell’arte-Theater kennen. Aus dem adligen Wüstling der italienischen Vorlagen machte er einen schillernden Freigeist, in dem sich die weltanschaulichen Kämpfe einer Gesellschaft im Umbruch spiegeln. Auch in der Nachfolge von Molière waren zahlreiche Autoren von der Figur des Don Juan fasziniert. In ihren Werken beschrieben sie ihn als rastlosen Verführer, als ewigen Dandy, oder als kalten Rationalisten, der mit intellektuellem Vergnügen die gesellschaftliche Ordnung infrage stellt. Achim Freyers Inszenierung von Molières Lustspiel ist eine Auseinandersetzung mit der Gestalt des Don Juans und fragt, was an diesem Mythos Identifikationsfigur und was Projektionsfläche ist.

   Die Premiere von Achim Freyers "Don Juan" ist für Samstag,19. Juni 2021 geplant – ob dieser Termin tatsächlich zu halten ist, wird sich zeigen. Die Proben haben auf jeden Fall mit voller Kraft und Optimismus am 3. Mai begonnen. Zuletzt inszenierte Achim Freyer 2019 im Schauspielhaus E.T.A. Hoffmanns "Der goldene Topf" als magisch-surrealistisches Gesamtkunstwerk.

Aufruf ans Publikum: Don Juan gesucht!

   Im Rahmen seiner Inszenierung von Molières "Don Juan" bittet Achim Freyer um die kreative Mithilfe des Publikums: Welche Sicht haben Sie auf Don Juan? Wer war er, wer ist er? Ein Don Giovanni, ein Casanova? Eine Frau? Oder ein Mann? Und wie sieht er aus? Freyer und sein Team freuen sich auf Fotografien, Zeichnungen, Grafiken oder Skulpturen von den individuellen Don Juans des Publikums bis zum 25. Mai per E-Mail an: lena.meyerhoff@staatstheater-stuttgart.de oder per Post an: Schauspiel Stuttgart z.Hd. Lena Meyerhoff, Oberer Schloßgarten 6, 70173 Stuttgart.

Ausgewählte Einsendungen werden zur Premiere im Foyer ausgestellt und vielleicht auch in der Aufführung selbst zu entdecken sein.

 

Pandemiebedingte Verschiebungen

   Da aufgrund der Corona-Situation die Bühnen bis mindestens Ende Mai 2021 weiterhin geschlossen bleiben müssen, werden einige Anpassungen des Spielplans notwendig. Die deutsche Erstaufführung von Paulus Hochgatterers Stück "Fly Ganymed" (Regie Nikolaus Habjan) wird auf die kommende Spielzeit 2021/22 verschoben – ebenso wie "Robin Hood" (Regie Corinna von Rad), die Stuttgarter Premiere von Milo Raus "Familie" (Koproduktion mit dem NTGent), "Der Untergang der Titanic" (Regie Nick Hartnagel, Koproduktion mit der HMDK Stuttgart) und Harald Schmidts Showreihe ECHT SCHMIDT.

   Die drei während des Lockdowns fertig geprobten Produktionen "Siebzehn Skizzen aus der Dunkelheit" von Roland Schimmelpfennig (Uraufführung ursprünglich März 2021, Regie Tina Lanik), Nancy Harris‘ "Leuchtfeuer" (deutschsprachige Erstaufführung ursprünglich März 2021, Regie Sophia Bodamer) und "Un/true" von Gernot Grünewald (Uraufführung ursprünglich Januar 2021) werden zur Premiere gebracht, sobald der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden darf.

   Ebenso werden das KammerSpezial "Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich" und die Lesung "Was Nina wusste" so bald als möglich nachgeholt. "Mermaid Cut" von Julian Mahid Carly wird voraussichtlich im Sommer Premiere an der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg in Ludwigsburg feiern.

   Noch in der Abstimmung befinden sich Die Lange Hölderlin-Nacht (Kooperation mit Oper und Ballett) sowie die Verleihung des Europäischen Dramatiker*innen Preises.

pm

 

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