Mit der Futura in die Zukunft Empfehlung

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Oskar Stark mit einem der Logos, die er einst für große Firmen entworfen hat. Oskar Stark mit einem der Logos, die er einst für große Firmen entworfen hat.

Oskar Stark wird heute 90 Jahre alt. 67 Jahre davon hat er als Grafiker gearbeitet.

   Und er steht noch immer fast jeden Tag zuhause am Reißbrett, um neue Formen zu finden. In Farbe. Ein drittes F fehlt noch. Die Futura. Die Lieblingsschrift des langjährigen Chefdesigners der Weltfirma Carl Zeiss. Deren Chef Horst Skoludek hatte den selbstständigen Grafikdesigner über einen – natürlich gewonnenen - Wettbewerb für eine Präsentation von Zeiss Ikon kennengelernt und 1969 angeheuert. Stark kannte sich aus mit Weltfirmen. Zuvor hatte er in seiner Stuttgarter Agentur lange Jahre für den Daimler-Konzern gearbeitet und dessen Zeitschrift „Mercedes Benz in aller Welt“ gestaltet. Auch der konsequent auf Werbung verzichtenden Kultur-Zeitschrift „Radius“ aus dem gleichnamigen Verlag, deren Hauptzielgruppe die evangelische Elite ist, hat Stark jahrelang zu einem angemessenen Aussehen verholfen.

   1994 ist Oskar Stark in den Ruhestand gegangen. Der sah so aus, dass er nach verschiedenen anderen Einsätzen als Kommunikations-Designer anno 2000 von der Leitung des Kaufhaus des Westens in Berlin (KDW) den Auftrag erhielt, deren in die Jahre gekommenes Logo neu zu gestalten. Schriften-Mann Stark stellte fest, dass sich in der Urform des KDW-Logos seine geliebte Futura versteckte. Er verhalf ihr zu neuer Blüte und dem Konsumtempel zu frischem Wind. Dosenetikette hat er ebenfalls gleich grafisch auf Vordermann gebracht.

   Oskar Stark ist der letzte aus der Riege der großen Aalener Künstler. Mit dem Kunsterzieher Karl Reich, der im Juli 1981 gestorben ist, als Senior und ihm als dem Jüngsten. Zur Kunst gebracht hat ihn der aus Aalen stammende Professor Rudolf Haegele, in dessen Atelier er einst Geige gespielt, dem er als Trauzeuge gedient und mit dem er am Stammtisch im „Kronprinzen“ und später im „Falken“ gesessen hat, erzählt Stark. Ein weiterer Hochschullehrer, Eugen Funk, wiederum hat ihm den Weg in eine Richtung gewiesen, den unser Jubilar mit beharrlicher Leidenschaft bis heute beschreitet. Noch gut erinnert er sich, wie ihn damals, 1953, Professor Funk bei der Aufnahmeprüfung an die Stuttgarter Kunstakademie gleich „krallte“, weil der Prüfling so gut mit Schrift umgehen konnte. Funk hatte einen Geistesverwandten erkannt.

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   Die Schrift an sich ist für Oskar Stark die universal verwendbare Futura; aber dann kommt gleich die von Otl Aicher entworfene und nach seinem Wohnort bezeichnete „Rotis“. Dieser brillante Kopf war nach dem Austritt von Max Bill Rektor der Ulmer Hochschule für Gestaltung. Max Bill wiederum nennt Oskar Stark in seiner ideellen Ahnengalerie der Typographen an erster Stelle.

   Im Grunde hat er im Unruhestand dort weitergemacht, wo er einst als bei zahlreichen wichtigen Wettbewerben erfolgreicher Grafik-Designer – elf Jahre mit eigenem Werbestudio, dann 25 Jahre bei Carl Zeiss – aufgehört hat. Nur muss er sich jetzt nicht mehr um die ökonomische Effizienz seiner Schöpfungen, in denen Ästhetik und Funktion Hand in Hand gingen, Gedanken machen. Oskar Stark genießt das freie Spiel der kreativen Kräfte, die er gleichwohl am kurzen Zügel hält. Zwar muten den Betrachter seine virtuosen Farbform-Konstrukte als spielerisch leicht an. Doch ihr Urheber beugt mit einem energischen Blick seiner hellen Augen, die über der Lesebrille funkeln, eventuellem Missverständnis vor. Die „kreative Findung“ basiere auf „exakter Gestaltung“, „eine im Ergebnis nachvollziehbar genaue und sorgfältige Vorgehensweise“. 

   Wie schon bei einem Besuch vor zehn Jahren durchschwebt ein Violinkonzert von J.S. Bach sein Arbeitszimmer. Die akribische Gestaltungskunst des Thomaskantors findet ihre Entsprechung „in der unendlichen Logik von Kreis und Quadrat“, sagt Stark.

   Hinzugekommen ist mittlerweile die Rhombusform. In die Raute hinein komponiert er seine Futura-Kreationen. Er spiegelt sie aneinander, spielt mit Negativformen und zerlegt sie mit sprühender Fantasie in grafisch logische Segmente.

   „Geometrismus“ kommentiert er lachend mit einem Schuss Selbstironie. Einem kleinen. Denn der alte Meister des Grafikdesigns weiß, was er kann. „Genauigkeit, Sauberkeit und Geradlinigkeit“, nennt er als leitende Kriterien seiner Arbeit. Seine Frau Elfriede staunt über die immer noch ruhige ruhige Hand des Energiebündels. „Nichts gedruckt, alles gezeichnet“, versichert Stark immer wieder, ob er nun die alten Schwarzweiß-Signets aus seinem riesigen Fundus hervorkramt oder auf die neuen Bilder zeigt. Dem ob der Fülle der ganz unterschiedlichen mit Farbe und Form gefundenen Bildobjekte staunenden Besucher bedeutet der vitale Neunziger trocken: „Do muasch halt draufkomma.“

 

Wolfgang Nußbaumer  

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