Geistvoller Gedankenaustausch Empfehlung

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Hoch konzentriert im Ellwanger Thronsaal bei der musikalischen Arbeit - das Phaeton Piano Trio. Hoch konzentriert im Ellwanger Thronsaal bei der musikalischen Arbeit - das Phaeton Piano Trio. Foto: -uss

Das Corona-Virus hat auch beim ersten Schlosskonzert der Saison im barocken Ellwanger Thronsaal Regie geführt.

   Nur 40 Menschen dürfen auf den akkurat verteilten Stühlen Platz nehmen. Dafür spielt das „Phaeton Piano Trio“ am Samstagabend sein Beethoven-Programm gleich zweimal nacheinander.

   Masken ab, Vorhang auf für den Geiger Friedemann Eichhorn, den Cellisten Peter Hörr und den Pianisten Florian Uhlig. Alle drei lehren an ostdeutschen Musikhochschulen. Gleichwohl haftet ihrem Zusammenspiel nichts Akademisches an. Die drei Professoren interpretieren die beiden Trios B-Dur op. 11 und G-Dur op. 70 Nr.1 mit beherztem Schwung und nötigem Ernst. In ihrem ersten Konzert nach der Corona-Zwangspause loten die drei Virtuosen nicht nur das weit gespannte Klangspektrum der Stücke sondern ebenso ihr musikalisches Einverständnis im ersten konzertanten Ernstfall aus, wie Ulrich Engel vom gemeinsam mit der Stadt veranstaltenden „Stiftsbund“ verrät.

   Mit Mumm geht‘s hinein in das populäre „Gassenhauer-Trio“. Im Adagio sind die drei kaum zu bremsen. Endlich wieder spielen und nicht nur üben. Wobei der langsame Satz dem Pianisten ausgiebig Gelegenheit gibt, die Finger tanzen zu lassen, bis der Satz unter seinen Händen wohltuend sanft verklingt.  

   Im Gegensatz zu seinem Titel hat das „Geistertrio“ überhaupt nichts Okkultes an sich. Es ist kurz nach halb acht, und die Geisterstunde noch in weiter Ferne. Nach dem kompakten, von überraschenden Einfällen nur so sprühenden Allegro entwickeln die drei Tonkünstler das Largo zum Höhepunkt ihres Auftritts. Tiefer Ernst paart sich mit einem erhabenen Wohlklang in einem prägnanten Motiv. Der ostinate tiefe Bass des Flügels grundiert das ausgereifte melodische Miteinander. Ein Satz bar jeder Romantik und dennoch zum Träumen schön.

   Das Presto reißt einen aus den Träumen - und bei Geiger Eichhorn eine Saite. „Corona?“ fragt er schmunzelnd. Mit komplett bestücktem Griffbrett spielen die „Phaetons“ den Satz nochmals.

   Zwischen die beiden Originale haben die Musiker eine Komposition des 1985 geborenen Johannes Xaver Schachtner zu Beethovens Menuettskizze Es-Dur eingeschoben. Geistvoll, ausgewogen, mit einem Schuss Rockavantgarde, hochpräzise ohne mechanistisch zu wirken, zeigen die drei seriösen Herren, dass sie auch locker vom Hocker können. Deren Titel könnte als Motto über dem Konzert stehen: „TrioKonversation“.

    Für den herzlichen Beifall bedankt sich das Ensemble mit dem 2. Satz von Mendelssohns Trio d-Moll, bei dem das Vorbild Beethoven durchklingt.     

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