Das läuft wie geschmiert Empfehlung

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Was für ein begnadeter Erzähler. Eindreiviertel Stunden lang, 105 Minuten, hängen die rund 400 Fans, wirkliche Fans, in der Aalener Stadthalle an seinen Lippen.

   Die laufen so geschmiert, wie der tote Kardinal im Fass ölig ist. Schon sind wir mittendrin im syrischen Kriminalfall, den Rafik Schami aufdröselt.Was als Lesung in der städtischen Reihe „wortgewaltig“ angekündigt ist, konterkariert der Autor des Romans „Die geheime Mission des Kardinals“ gleich zu Beginn. Nein, keinen Lesehappen wird er servieren, sondern das ganze Erzählmenu. Sonst schmeckt’s nicht. Essen gehört neben dem Erzählen zu seinen Leidenschaften, wie er verrät.  Der Clou auf dem Brot neben allerlei Aufstrich und Kräutern nebst Knoblauch sei ein Hauch Thymian.

   Seine Leidenschaft teilt er mit Kommissar Barudi. Dieser muss von November 2010 bis  Februar 2011 noch durchhalten; dann kann er in Rente gehen. In die verdiente Rente. Barudi hat viel geleistet und viel gelitten. Weil er nie in die herrschende Partei eingetreten ist, hatte die Karriereleiter nur wenige Sprossen. Seine geliebte Frau hat ihm ein Krebs genommen, der von ihr Besitz ergriff, nachdem ihr geliebter Adoptivsohn von dessen Onkel mitgenommen worden war. Freude und Leid wechseln sich im Leben des Kommissars ab. Beides hat ihn müde und etwas korpulent werden lassen. Bis das Olivenölfass samt Kardinal in der italienischen Botschaft angeliefert worden war. Da musste er mit seiner Erfahrung und als Christ nochmals tätig werden. Ein Muslim hätte, wie ihm bedeutet worden war, in dieser Angelegenheit schlecht ermitteln können. Wegen des Verdachts der Befangenheit.

   Also beißt Barudi in den sauren Apfel, versichert sich der Mithilfe Mancinis, eines Kollegen aus Rom und ausgemachten Schwerenöters – und macht sich auf die Suche nach den Mördern. Dabei lernen wir syrische Eigenheiten kennen – Männer können nicht kochen, was zwei junge Syrerinnen im Publikum bestätigen - , treffen auf den martialischen IS, einen Drogenbaron und einen seltsamen „Bergheiligen“ mit Wunder wirkenden Händen.

   Fantastisch kurzweilig breitet Rafik Schami dieses Panorama vor seinem Auditorium aus. Reichlich Nahrung gibt er so der Fantasie, obwohl oder gerade, weil er eher detailfreudig berichtet, denn dramatisch erzählt. Ganz beiläufig watscht er den 2002 heilig gesprochenen Träger der Wundmale, Padre Pio, als Scharlatan ab – und Italiens korrupten ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gleich mit. 

    Rafik Schami erweist sich als profunder Rechercheur, der Fiktion und Realität verlässlich verknüpft. Bis zum Schluss, als Barudi von aller Mühsal befreit mit seiner neu gewonnen Liebsten Nuriman aus der Wohnung in Damaskus in die eisige Winternacht hinausblickt. „Und beide freuten sich wie Kinder über die Schneeflocken, die wie Schmetterlinge aus dem Dunkeln kamen und sich ans Fenster setzten.“

Wolfgang Nußbaumer

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