Finales Freundschaftsspiel

Die vier "Stumpfes" präsentieren ihren Überraschungsgast - die SHW-Bergkapelle. Die vier "Stumpfes" präsentieren ihren Überraschungsgast - die SHW-Bergkapelle. Fotos: -uss

Nicht nur Ostalbherzen haben beim traditionellen Konzert von „Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle“ zum Jahresende in der ausverkauften Aalener Stadthalle mit erhöhter Schlagzahl geklopft.

   Den Autokennzeichen nach zu schließen, sind Fans aus der halben Republik in die Ostalbmetropole gereist. Das Quartett der in Ehren ergrauten Herren (bis auf einen) hat ihnen für diese Treue als krönendem Abschluss seiner „Ostalbtour 2019“ mit einem Superauftritt gedankt. Einschließlich einem Überraschungsgast der vielköpfigen Art.

   Zum Auftakt haben sich Selle, Flex, Manne und Benny nach dem „Muggagitterma“ offensichtlich etwas Neues einfallen lassen. Den Staubsaugermann. Der macht zwischen Mikroständern, Lautsprecherboxen und Musikinstrumenten Kehraus. Ist ja auch der finale Auftritt des Jahres. Ein letzter prüfender Blick. Kein Stäubchen wird sich Selle bei seinem frenetisch beklatschten Solo auf die strapazierten Stimmbänder legen. Und wenn schließlich etwas raucht, ist es höchstens der Feinstaub von Flexens Zigarette, mit der er für authentischen Bühnennebel sorgt. Alles, oder „älles“, ist bei den Stumpfes handgemacht. „Schwäbisch first“ (Schwäbisch zerschd) lautet ihr Mantra.  Hochdeutsch kommt höchstens in einem Liedtext vor. Wie in dem zum Schreien komischen Kinderliedermedley zur total coolen Melodie des Bossa Nova-Klassikers „The Girl from Ipanema“.

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Pure Hingabe ans Liedgut: Celle, Benny und Manne.

 

   Was dieses Quartetto infernal an nationalen, internationalen und selbst geschaffenen regionalen Hits verwurstet, macht einen „atemlos“. Man lacht Tränen, bis man nach Luft schnappt – und merkt plötzlich, dass sich ein paar aus Rührung dazugesellen. So, wenn Benny Banano, der von Hosenträgern zusammengehaltene Adonis der Truppe, die schwäbische Version des Aznavour-Chansons „Du lässt dich geh’n“ interpretiert. Es ist wie das erwähnte Medley eine der Supernovas an diesem funkelnden Sternenhimmel, zu dem, oh Wunder, ein „Highway to hell“ hinaufführt. Rotzfrech verballhornt zu „I ben em Schreiner sei Gsell“. Und Sades „Smooth Operator“ verwandeln Flex und Benny total respektlos in einen „Schulamtsvertreter“. Hätten sie Respekt vor irgendetwas, wären sie nicht die „Stumpfes“, sondern langweilig. Die Ausnahme bestätigt die Regel. Als sich der Vorhang öffnet und die Kapelle freigibt, mit der zusammen sie diesmal ihre Hymne „Ostalbherz“ intonieren, ist der Saal ein einziges staunendes „Ahhhh“. Es gilt der SHW-Bergkapelle in ihren schmucken Uniformen. Überraschung geglückt. Respekt!

   Irgendwann haben die skrupellosen Hausmusikanten alle möglichen und kaum glaublichen ihrer rund 20 Instrumente ausgereizt, sich ausgesucht hinterfotzig gegenseitig auf die Schippe genommen, verbal so ganz nebenbei nachgetreten und gezeigt, dass das Unmögliche möglich ist: die Stammtischblödelei als tragfähige Kunstform für ein bunt gemischtes Publikum zu etablieren. Aber da fehlt doch noch etwas. Richtig. Das „Bemberle“ zur Melodie von „The Lion Sleeps Tonight“ – Flex kann des lauthalsen Mitgefühls sicher sein. Fazit: „Komma senn mir als Fremde, ganga demer als Freind“. Naja, „Freind“ senn mir scho ganz lang! 28 Johr.

Wolfgang Nußbaumer 

     

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